BIVA e.V.
BIVA - Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) e.V.

Sehr geehrte Damen und Herren,
lesen Sie in dieser Ausgabe:

Recht auf Rausch? Alkohol im Pflegeheim
Entfernen von Alkoholflaschen aus dem Bewohnerzimmer
Entfernung von Getränkeautomaten
Sturz bei Pflege eines Angehörigen
Neue Qualitätsbeurteilung für Pflegeheime
Bundesgesundheitsminister Spahn kritisiert Kommerzialisierung in der Pflege
BZgG-Faltblattreihe „kompakt“
Kölner Demenzwochen
Informationsblatt „Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“
Infoveranstaltungen zur Beiratsarbeit
Das besondere Thema

Recht auf Rausch? Alkohol im Pflegeheim

Ein Gläschen Wein vor dem Schlafengehen oder die Flasche Bier zur täglichen Lieblingsserie – Alkohol in Maßen genossen kann gerade für ältere Menschen ein Mittel sein, sich ein Stück Lebensqualität im Alltag zu erhalten. Wird aus dem gelegentlichen Genuss jedoch ein unverzichtbarer Trost, so ist der Weg in einen schädlichen Alkoholmissbrauch schnell beschritten. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verzeichnet einen Anstieg von Alkoholmissbrauch bei über 65-Jährigen. Dies betrifft auch Bewohner von Pflegeheimen. Gerade im regulierten Kontext des Heimes scheint auf den ersten Blick eine Lösung naheliegend: Eine Einschränkung oder gar ein Verbot von Alkohol im Pflegeheim.
Fakt ist: Der Verzicht selbst geringer Mengen Alkohol wirkt sich positiv auf die Gesundheit älterer Menschen aus. Doch dürfen Angehörige, Pflegepersonal oder Heimleitung den Konsum von Alkohol tatsächlich einschränken oder verbieten? mehr
Aus unserer Beratungsarbeit

Entfernen von Alkoholflaschen aus dem Bewohnerzimmer

Alkohol im Pflegeheim kann durchaus Anlass zur Debatte geben. Was man bei der gesamten Diskussion jedoch nicht vergessen darf, ist, dass Menschen, die in einer stationären Einrichtung leben, trotz ihres Hilfebedarfs und ihrer Abhängigkeit immer noch frei entscheiden dürfen, was sie tun und Träger von Rechten sind. Ist der Konsum von Alkohol nicht mittels vertraglicher Vereinbarung ausgeschlossen worden, kann das Trinken nicht verboten werden, sofern keine Gefährdung Dritter davon ausgeht. Hinzu kommt, dass die Betroffenen in ihren eigenen Räumlichkeiten ein Hausrecht ausüben. Im vorliegenden Beratungsfall entfernte eine Pflegekraft unaufgefordert Sektflaschen, die eine alkoholabhängige Dame selbst erworben hatte, aus deren Zimmer. Die Pflegekraft verletzte somit das Hausrecht und die verfassungsmäßigen Grundrechte der Bewohnerin. mehr
Praxistipps für Bewohnervertretungen

Entfernung von Getränkeautomaten

In einer Pflegeeinrichtung in Bayern gab es im Eingangsbereich für die Bewohner die Möglichkeit, aus aufgestellten Getränkekühlschränken Softgetränke und Bierflaschen zu ziehen. Nach einer Umgestaltung des Eingangsbereichs mit Einrichtung eines Cafés wurden die Getränkeautomaten zum Leidwesen der Bewohner entfernt bzw. ausgetauscht. Insbesondere der Bezug von Bier war nun nicht mehr möglich. Die Bewohner waren darüber empört und fühlten sich als erwachsene Menschen gemaßregelt, zumal vonseiten der Einrichtungsleitung nur fadenscheinige Gründe für die Veränderungen genannt wurden. Auch wurde versäumt, die Bewohnervertretung frühzeitig über Veränderungen zu informieren. Im vorliegenden Fall hat sich die Bewohnervertretung erfolgreich für das Wohl der Bewohner eingesetzt. Nachdem der Beirat aktiv wurde, konnte ein Kompromiss im Sinne der Bewohnerinteressen gefunden werden. mehr
Urteile
BIVA - Urteile

Sturz bei Pflege eines Angehörigen

Das Sozialgericht Chemnitz hat entschieden, dass ein Sturz bei der Pflege eines Angehörigen als Arbeitsunfall gelten kann. Im betreffenden Fall stürzte eine pflegende Tochter schwer, als sie ihrer pflegebedürftigen Mutter half, eine Treppe in deren Eigenheim hinabzusteigen. Die Tochter zog sich beim Sturz eine Knöchelfraktur zu, die gesetzliche Unfallversicherung wollte den Sturz jedoch nicht als Arbeitsunfall anerkennen. Hiergegen klagte die Tochter und bekam vor dem Sozialgericht Chemnitz Recht. mehr

Aus der Presse

Neue Qualitätsbeurteilung für Pflegeheime

Wie das Ärzteblatt berichtet, haben Pflegewissenschaftler der Universität Bielefeld ein neues Konzept zur Bewertung der Qualität der rund 13.600 Pflegeeinrichtungen in Deutschland ausgearbeitet und dem Qualitätsausschuss Pflege vorgelegt. Das neue Verfahren soll die seit 2009 erhobenen Pflegenoten ersetzen. Durch eine Orientierung am tatsächlichen Gesundheitszustand und der allgemeinen Zufriedenheit der Heimbewohner soll künftig vermieden werden, dass sich die Qualitätsbeurteilung von Einrichtungen überwiegend auf die Pflegedokumentationen stützt. Geplant sei die Umsetzung des neuen „Pflege-TÜV“ für das Jahr 2019.

Bundesgesundheitsminister Spahn kritisiert Kommerzialisierung in der Pflege

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt kritisch zur Kommerzialisierung in der Pflege. Seit der Privatisierung des Pflegesektors 1995 seien Pflegeheime zunehmend als Renditeobjekte in den Fokus von privaten Investoren gerückt. Private Anbieter kommen heute laut Handelsblatt auf einen Marktanteil von 40 Prozent, alleine im Jahr 2017 wurden 40.000 Pflegebetten von Finanzinvestoren übernommen. Das Erzielen von hohen wirtschaftlichen Gewinnen gehe laut Spahn jedoch fast zwangsläufig mit Abstrichen in der Versorgungsqualität einher. Eine Gewinnmaximierung dürfe nicht auf Kosten der Pflegebedürftigen gehen. Die Versuchung, beim größten Kostenfaktor Personal zu sparen, sei für die Investoren besonders hoch. Daher fordert Spahn eine bessere Bezahlung in der Altenpflege und feste Regelungen für die Personalausstattung, die auch für private Investoren verbindlich gelten sollen.

Veranstaltungstipps und Veröffentlichungen
Broschüre Depression im Alter

BZgA-Faltblattreihe „kompakt“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt in ihrer neuen Faltblattreihe „kompakt“ wertvolle Tipps für Betroffene und Angehörige zur Verfügung. Bisher erschienen sind Ausgaben zu den Themen „Depressionen im Alter“, „Ausgeschlafen im Alter“ und „Koronare Herzkrankheit im Alter“. Die Hefte stehen auf der Internetseite der BZgA zum kostenlosen Download bereit.
Demenz darf kein Tabu sein

Kölner Demenzwochen

Die 7. Kölner Demenzwochen finden vom 21. September bis zum 5. Oktober 2018 statt. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Menschen mit Demenz, deren Angehörige und Freunde, ehrenamtliche Helfer und professionell Tätige. In rund 90 Veranstaltungen können sich Interessierte über das Krankheitsbild informieren, Hilfsangebote kennenlernen und mit lokalen Akteuren ins Gespräch kommen. Unter dem Motto „Demenz 2030 – Wie wollen wir leben?“ wird die Woche am 21. September im Forum der Volkshochschule Köln eröffnet. mehr

Informationsblatt „Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. hat das Informationsblatt „Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“ veröffentlicht. In den letzten Jahren sind zahlreiche Urlaubsangebote entstanden, die speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zugeschnitten sind. Sie sollen Erkrankten und Angehörigen eine positive gemeinsame Zeit bescheren und die Angehörigen möglichst entlasten. Damit der Urlaub gelingt, kommt es darauf an, dass der Rahmen (Anreise, Unterkunft, Betreuung, Aktivitäten) so gestaltet ist, wie es den individuellen Bedürfnissen entspricht. Derartige Reisen werden von Alzheimer-Gesellschaften und anderen Anbietern organisiert. Ein Teil der Pflege- und Betreuungskosten kann, auf Antrag, von der jeweiligen Pflegekasse erstattet werden.

BIVA-Intern
Informationsveranstaltung in Essen

Infoveranstaltungen zur Beiratsarbeit

Der BIVA-Pflegeschutzbund bietet in Kooperation mit den WTG-Behörden (Heimaufsichten) in NRW qualifizierte Informationsveranstaltungen für ehrenamtliche Vertrauenspersonen, Beiräte, Multiplikatoren und alle Interessierten an der Beiratsarbeit an. Die Schulungen werden von der Landesregierung gefördert, die Teilnahme ist daher kostenlos.
Termine
Mit freundlichen Grüßen

Ihr BIVA-Team
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Amtsgericht Bonn | Vereinsregister No. 3939