Pflegeschutzbund e. V.

Durchsuchen Sie www.biva.de

Wie erkenne ich Pflegemängel?

Jede Pflegeeinrichtung ist aufgrund des Wohn- und Betreuungsvertrages (Heimvertrages) verpflichtet, die vertraglich vereinbarten Leistungen zu  erbringen. Das heißt, sie muss den Wohnraum zur Verfügung zu stellen, die erforderliche Pflege erbringen und die vereinbarten Betreuungsleistungen anbieten. Welche Leistungen das genau sind, ergibt sich auch aus den in den jeweiligen Bundesländern geltenden Landesrahmenverträgen.

1. Wann liegt ein Pflegemangel vor?

Zunächst muss festgestellt werden, ob eine Leistungsmangel vorliegt. Das ist der Fall, wenn die tatsächlich erbrachte Leistung der vertraglich geschuldeten nicht entspricht.

Wir haben bei unseren zahlreichen Gesprächen mit Angehörigen und Betroffenen von folgenden Unzulänglichkeiten in der Pflege gehört:

  • Die Körperpflege wird nicht regelmäßig, nicht oft genug oder nicht gründlich durchgeführt.
  • Die Unterstützung beim Trinken und der Nahrungsaufnahme ist nicht ausreichend.
  • Die Mobilisierung ist unzureichend. Es ist zum Beispiel ein Dekubitus aufgetreten.
  • Die soziale Betreuung ist reduziert oder ganz eingestellt.
  • Die Gemeinschaftsräume dürfen nicht oder nur eingeschränkt benutzt werden.
  • Es muss auf dem Bewohnerzimmer gegessen werden.
  • Es findet eine unzureichende ärztliche oder therapeutische Betreuung statt.
  • Es gibt nach wie vor Besuchsbeschränkungen.
  • Dem Bewohner wird der Ausgang aus der Einrichtung verweigert.
  • Das Bewohnerzimmer wird nicht ausreichend gereinigt.
  • Es muss entgegen vorheriger Gepflogenheiten auf dem Zimmer gegessen werden.
  • Es gibt Besuchsbeschränkungen, die nicht im Vertrag oder der Hausordnung geregelt sind.

2. Wie stelle ich einen Pflegemangel fest?

Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten, die Sie, wenn möglich, alle nutzen sollten:

  • Sprechen Sie mit Ihrer/Ihrem Angehörigen. Auch ein Gespräch mit den Pflegekräften kann hilfreich sein. Machen Sie sich in jedem Fall Notizen von dem Gespräch. Sehr hilfreich ist ein Gesprächsprotokoll, in dem die wichtigen Punkte, auf die bei der Pflege künftig besonders geachtet werden soll, festgehalten werden. Eine Unterschrift von Seiten des Heims sorgt für Verbindlichkeit.
  • Zeigen Sie einer weiteren Person – etwa einer oder einem Angehörigen – den Pflegemangel, damit sie/er ihn bezeugen kann.
  • Machen Sie Fotos.
  • Lassen Sie sich eine Kopie der Pflegedokumentation Ihres Angehörigen geben. Hierauf haben Sie einen Anspruch. Lassen Sie sich nicht mit der Einsichtnahme abspeisen. Der Anspruch auf eine Kopie ergibt sich aus Art. 15 Absatz 3 der Datenschutzgrundverordnung.
  • Führen Sie selbst ein Pflegetagebuch, in dem Sie die von Ihnen festgestellten Mängel so genau wie möglich festhalten.

Sie müssen bei der Dokumentation des Pflegemangels sehr sorgfältig vorgehen, da Sie das Vorliegen des Mangels nachweisen müssen.

Weiterführende Hilfen

Wie kann ich gegen Pflege­mängel vorgehen?

Betroffene haben Rechte und Möglichkeiten, gegen Pflegemängel vorzugehen. Wir zeigen Ihnen wie.

Im Zweifel beraten lassen

Sollten Sie bei Ihren in einer stationären Pflegeeinrichtung versorgten Angehörigen festgestellt haben, dass die oben beschriebenen Leistungen nicht wie vorgesehen erbracht werden, liegt darin ein Leistungs- oder auch Pflegemangel. Für diesen Fall stehen Ihnen mehrere Ansprüche zu. Wir unterstützen Sie dabei, diese Rechte durchzusetzen. LINK Beratung