Freitag, 29. Mai 2020

Ernüchterndes Umfrageergebnis:
Besuchsmöglichkeiten in Pflegeheimen sind unzureichend und die Folgen der sozialen Isolation gravierend

Bonn. Für mehr als 70 Prozent der Besucher in Pflegeheimen, die an einer Umfrage des BIVA-Pflegeschutzbundes teilnahmen, brachten die Lockerungen des Besuchsverbotes keine Verbesserungen. Dieses ernüchternde Ergebnis der bundesweiten, nicht repräsentativen Online-Umfrage, an der über eintausend Menschen teilnahmen, verlangt weitere Maßnahmen in stationären Einrichtungen. Dazu gehören sowohl von den Aufsichtsbehörden genehmigte Besuchskonzepte als auch Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden und den Medizinischen Dienst.

Mehr als 90 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sind Angehörige von Bewohnerinnen und Bewohnern in Pflegeheimen. Sie beschreiben die Folgen der unzureichenden Besuchs- und Ausgehmöglichkeiten als gravierend. Rund 65 Prozent haben einen Rückgang der kognitiven Fähigkeiten bei ihren pflegebedürftigen Angehörigen festgestellt und rund 50 Prozent sehen starke Veränderungen des Gewichts. Bei 70 Prozent wird eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes festgestellt. Sogar 80 Prozent beklagen den Verlust an Lebensfreude bei ihren Verwandten.

Von denen, die an der Umfrage teilnahmen, besuchten 80 Prozent ihre Angehörigen vor der Corona-Krise täglich bzw. mehrmals in der Woche und haben dabei die Pflege unterstützt. Jetzt ist diese Hilfe nicht mehr möglich, sondern höchstens ein kurzer Besuch, etwa außerhalb des Zimmers getrennt durch eine Scheibe einmal in der Woche. Das ist für diese Menschen keine Lösung. Die jetzigen Regelungen schaffen nicht für alle Bewohnerinnen und Bewohner angemessene Sozialkontakte und die Unterstützungsleistungen der pflegenden Angehörigen bleiben nach wie vor aus. „Die quälenden und völlig unzumutbaren Besuchssituationen von denen die Teilnehmer der Umfrage oftmals sehr ausführlich berichten, rühren zu Tränen“, sagt Dr. Manfred Stegger, Vorsitzender des BIVA-Pflegeschutzbundes. „Hier muss so schnell wie möglich gehandelt werden. Für diese Menschen zählt jeder Tag.“ Der BIVA-Pflegeschutzbund fordert daher häufigere und regelmäßige Besuche sowie bedarfsgerechte Besuchsregeln für alle Bewohnergruppen. Dabei legt der Pflegeschutzbund besonderen Wert darauf, dass demente und bettlägerige Menschen individuelle Besuchsmöglichkeiten erhalten. Angesichts der Berichte über massive Verschlechterungen im Pflege- und Gesundheitszustand ist es notwendig, dass die zurzeit ausgesetzten Regelprüfungen durch den Medizinischen Dienst und die Heimaufsichten wieder aufgenommen werden.

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