Mittwoch, 11. Mai 2016

Trotz guter Pflegekräfte oft schlechte Pflegequalität in stationären Einrichtungen

Bonn. Trotz guter und engagierter Pflegekräfte ist die Pflege in stationären Einrichtungen für viele Menschen mangelhaft und genügt nicht den Erfordernissen und Wünschen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen. Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) e.V. nutzt den Tag der Pflegenden, um daran zu erinnern. Weder die Ernährung noch die Medikamentenversorgung oder der Umgang mit Sturzgefahren sind im Durchschnitt der Pflegeeinrichtungen so gut, dass sich die Menschen jederzeit und überall vertrauensvoll in eine Pflegeeinrichtung begeben können. Darauf weist Dr. Manfred Stegger, Vorsitzender der BIVA, hin. Das liege nicht an der Qualität der Pflegenden, sondern an der zu geringen personellen Ausstattung der Einrichtungen. Nur ein besserer und bundesweit einheitlicher Personalschlüssel könnte hier für Abhilfe sorgen.

Die BIVA übt heftige Kritik daran, dass bei rund 53.000 Menschen, die Schwierigkeiten haben sich selbst zu ernähren, die notwendigen Hilfen nicht gegeben werden. Damit bestehe die Gefahr der Unterernährung. Viele Bewohnerinnen und Bewohner erhalten außerdem zu wenig zu trinken. Bei rund 42.000 Fällen, in denen die Menschen nur eingeschränkt in der Lage sind zu trinken, werden die notwendigen Maßnahmen für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr nicht ergriffen. Das lässt sich an den offiziellen Prüfergebnissen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ablesen.

Bei rund 98.000 pflegebedürftigen Menschen ist der Umgang mit Medikamenten im Pflegeheim nicht sachgerecht und damit im schlimmsten Fall lebensgefährlich. Neben vielen anderen Informationen ergeben das die Auswertungen des 4. Qualitätsberichts des MDK.

Stegger macht die Pflegekräfte für die fehlende Qualität ausdrücklich nicht verantwortlich. „Sie sind das schwächste Glied in der Kette. Die meisten sind hochmotiviert und versuchen trotz harter Bedingungen das Beste für die Bewohnerinnen und Bewohner zu erreichen. Ihnen gilt unsere Anerkennung und unser Respekt“, so Stegger. Es gelte daher, jedem Pflegenden mehr Zeit für die einzelnen Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Dazu gehöre in erster Linie ein verbesserter und bundesweit einheitlicher Personalschlüssel. Darin ist sich Stegger mit der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens einig.

Das könnte Sie auch interessieren