Donnerstag, 09. Juli 2015

Sturz im Pflegeheim – und nun?

Es kommt immer wieder vor, dass Bewohnerinnen und Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen stürzen. Stürze können nicht immer vermieden werden und gehören damit zur Gefahr des Alltags, gerade in Pflegeheimen. Wichtig ist jedoch, auch bei „Beinahe-Stürzen“, dass man sich mit dem Thema beschäftigt, um zukünftige Gefahren zu vermeiden.
Daran sollten vor allem die Einrichtungen selbst schon aus Haftungsgründen ein Interesse haben. Es ist daher nicht nachvollziehbar, wenn keine Sturzprotokolle erstellt, keine Vermeidungsstrategien für künftige Vorfälle erarbeitet und die Angehörigen nicht ausreichend informiert werden. Bei den sich sorgenden Angehörigen entsteht dann schnell der Eindruck, der Vorfall solle „unter den Tisch gekehrt“ werden; die Einrichtung dagegen empfinden das bohrende Nachfragen und Drängen auf Aufklärung als Zumutung.

Wichtig wäre es hier, das Unfallereignis so lückenlos wie möglich aufzuklären und den Geschehensablauf zu dokumentieren. Weiterhin sollte unbedingt eine Ursachenforschung betrieben werden, ob tatsächlich Wiederholungsgefahr besteht (z.B. durch zunehmende Gangunsicherheit, Sehschwächen oder Kreislaufprobleme als Nebenwirkung eines Medikaments) oder es sich um ein nicht voraussehbares Ereignis gehandelt hat und keine Wiederholung droht. Besteht Wiederholungsgefahr, muss dies unbedingt in die Pflegedokumentation Eingang finden und überlegt werden, ob es Präventionskonzepte gibt bzw. auf was künftig Acht gegeben werden muss (z.B. Einsatz eines Lifters).
Die Expertenstandards „Sturzprophylaxe“ (kann bei uns bestellt oder kostenfrei heruntergeladen werden) können hier sehr hilfreich sein. Wichtig ist es, dass die Angehörigen gerade bei vorliegenden Bevollmächtigungen in diesen Prozess einbezogen werden. Dies sollten sie einfordern, nur so entsteht Vertrauen. Wir hatten in den letzten Wochen einige Fälle im Informations- und Beratungsdienst, bei denen die Angehörigen den Eindruck gewinnen mussten, man arbeite Stürze in Einrichtungen nicht ordnungsgemäß auf und entfalte auch keine Präventionsstrategien. In diesen Fällen wuchs nicht nur die Sorge um die Betroffenen vor weiteren Stürzen, sondern auch das Misstrauen, ob die Einrichtung sorgfältig arbeitet.