Pflegeschutzbund e. V.

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Niedersachsen: Fehlendes Hilfspersonal für Corona-Schnelltests verhindert Pflegeheimbesuche

Oldenburg/Bonn. Laut Bund-Länder-Beschluss vom 05. Januar 2021 soll eine Initiative zur Schulung Freiwilliger mehr Corona-Schnelltests in Pflegeheimen ermöglichen. In Niedersachsen führen derzeit überwiegend die Pflegekräfte die erforderlichen Testungen des Personals und je nach Inzidenzwert auch der Besuchenden durch. „Das geht zu Lasten der Bewohner*innen, weil in der Folge die pflegerische Versorgung zu kurz kommen kann und Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt werden müssen“, erklärt Corinna Schroth, stellvertretende Vorsitzende und Regionalbeauftragte des BIVA-Pflegeschutzbundes. „Deshalb fordern wir eine schnelle Umsetzung des Bund-Länder-Beschlusses in Niedersachsen.“

Nach der Niedersächsischen Corona-Verordnung müssen die Einrichtungen ihr Personal regelmäßig mittels PoC-Antigen-Schnelltest testen lassen. Darüber hinaus sind sie verpflichtet, bei einem Corona-Inzidenzwert über 50 auch Besuchern eine Testung anzubieten.

Solange es an geschulten Hilfskräften fehlt, muss das Pflegepersonal einspringen. Die Zeit für die Testungen geht damit zu Lasten von Betreuung und Pflege oder der Besuchsmöglichkeiten. Mit Blick auf das Wohl der Bewohner und die hohen Belastungen des Pflegepersonals, fordert Schroth, dass die kommunalen Spitzenverbände schnell den regionalen Bedarf an geschulten Hilfskräften klären.

Dabei sind Kosten für Personal und Material theoretisch durch den Corona-Rettungsschirm abgedeckt. 21.600 Euro im Monat stehen beispielsweise einer Einrichtung mit 80 Bewohner*innen im Zusammenhang mit der Durchführung der PoC-Antigen-Testungen anfallenden Aufwendungen – zusätzlich zu den Kosten der Testkits – zur Verfügung. Gedacht ist der Aufwendungsersatz insbesondere für die Einstellung von Hilfskräften oder Zuhilfenahme von Fremddiensten.

Da diese Kosten pauschal vergütet würden, stelle sich zudem die Frage, ob die Gelder zielgerichtet eingesetzt würden. „Geht man davon aus, dass das hauseigene Personal bereits über die Pflegesätze finanziert wird und die gesondert abrechenbaren Testung im Rahmen der üblichen Arbeitszeit vorgenommen werden, sollte man die Frage stellen, ob es zu Doppelabrechnungen kommt“, so Schroth.

„Im Zusammenhang mit der Bedarfserhebung durch die kommunalen Spitzenverbände sollte auch eruiert werden, in welchen Kanälen das für die Testungen zur Verfügung gestellte Geld bislang versickert ist“ fordert Schroth. „Diese Frage, die Jens Spahn Ende letzten Jahres im Rahmen einer Pressekonferenz sinngemäß an die Heimträger stellte, wurde – soweit ersichtlich – bis heute nicht beantwortet.“