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Laumann fordert unabhängiges Expertengremium für Pflegenoten

Der Pflegebeauftragte Karl Laumann fordert die Einsetzung eines unabhängigen Expertengremiums, das die Veröffentlichung der Ergebnisse der Prüfberichte des MDK festlegt. Bisher sei laut Laumann die Veröffentlichung, die eigentlich der Transparenz dient, zu kompliziert und ohne Aussagekraft gewesen. Ein Notensystem, das durchschnittlich die Note 1,3 vergibt, sei wenig glaubhaft und irreführend. Laumann hat mit seiner Forderung nach der Aussetzung der Pflegenoten ein großes Presse-Echo erfahren. Er würde den Kassen und Trägerverbänden mit einer Abschaffung der Noten einen Teil der Selbstverwaltung nehmen. Was bedeuten seine Aussage aber in der Konsequenz für die Nutzer von Pflegeleistungen in stationären Einrichtungen und von ambulanten Diensten?

Über die „Pflegenoten“ bzw. die Qualitätsbegutachtungen durch den MDK wird seit ihrer Entwicklung aus verschiedensten Richtungen heftig gestritten und geschimpft. Das Ziel, dem Verbraucher eine transparente und sinnvolle Information über die Qualität der Pflegeleistung zu bieten, scheint verfehlt. Die Anbieter von Pflegeleistungen haben sich dagegen, von einzelnen abgesehen, bislang eher bedeckt gehalten, da ihnen die guten Noten auf den ersten Blick nicht schaden. Zum einen sind die Anbieter maßgeblich an der Erstellung der vorhandenen Systematik beteiligt. Zum anderen können die meisten Anbieter mit ihrer Benotung zufrieden sein, denn immerhin erhalten ca. 80 % von ihnen eine Gesamtbewertung von 1,4 oder besser.

Die vorliegenden Noten nun aber einfach abzuschaffen, kann auch nicht Sinn der Sache sein, enthalten Sie doch bei genauerem Hinsehen wertvolle, für den Verbraucherschutz nutzbar zu machende Erkenntnisse. Herr Laumann hat sicher Recht, wenn er die Notensystematik anzweifelt. Der Umkehrschluss, dass die Daten deshalb wertlos seien, ist jedoch falsch. Sie müssen nur aufgebrochen und für den Verbraucher „lesbar“ gemacht werden. Ein Projekt der BIVA in Zusammenarbeit mit der „Stiftung Stark im Alter“ hat sich als Aufgabe gestellt, den hinter den Pflegenoten verborgenen Informationsschatz zu heben.

Ein Beispiel: Erste Analysen zeigen, dass bei den als „sehr gut“ benoteten stationären Einrichtungen ca. 40% dieser Einrichtungen im Bereich der Prophylaxe-Kriterien eine Note 2 oder schlechter erhalten haben. Der erste Eindruck aufgrund der Gesamtnote, dass in diesen Einrichtungen ALLES in Ordnung ist, täuscht also. Ein Indiz, dass die Pflegelandschaft in Deutschland nicht so einfach zu bewerten ist, wie es scheint und die Anbieter durchaus noch Verbesserungspotential haben. Dies sollte den Verbrauchern bekannt und sie in die Lage versetzt werden, die für sie wertvollen Informationen zu erhalten. Es bedarf also weiterhin dringend externer Qualitätsprüfungen, deren Analyse und verbraucherfreundliche Veröffentlichung. Solange es keinen Ersatz für die heutigen Pflegenoten gibt, sind sie die einzigen deutschlandweit erhobenen Daten über die Pflegequalität. Wenn Herr Laumann die umgehende „Aussetzung der Veröffentlichung der bisherigen Pflegenoten“ fordert, dann entzieht er dem Verbraucher diese Informationsmöglichkeit.

Die BIVA begrüßt es grundsätzlich, dass ein „Expertengremium aus Wissenschaftlern“ die Darstellungsform und ggf. die Kriterien-Auswahl verbessern soll, um damit den Verbraucher besser aufzuklären. Allerdings fordert die BIVA auch, dass nicht lediglich die Wissenschaft in dem Gremium vertreten sein soll. Es wäre hilfreich, wenn die Verbraucher bzw. die Verbrauchervertretungen bei solchen Entscheidungen mit eingebunden würden. Ihnen sollte in Zukunft in derartigen Gremien ein Stammplatz bereitgehalten werden. Vielleicht gelingt es dann auch genauer zu definieren, was „Pflegequalität“ eigentlich ist und wie „Transparenz“ gemessen werden soll. Schließlich sind es ausschließlich die pflegebedürftigen Verbraucher, die bewerten können, was bei ihnen als Pflege wie ankommt und ob sie die Messergebnisse verstehen.