Pflegeschutzbund e. V.

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Keine Entwarnung bei der Pflegequalität

Bonn. Der  4. Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen weist auf einige Verbesserungen auf dem Gebiet der Pflege zwischen 2010 und 2013 hin. Doch er zeigt auch, dass nach wie vor tausende Menschen unter schlechter Pflegequalität leiden müssen. „Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, sagt Dr. Manfred Stegger, Vorsitzender der Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e.V. (BIVA). 

So sind nach den veröffentlichten Daten 12,5 % aller Pflegeheimbewohner von freiheitseinschränkenden Maßnahmen wie Anbinden im Bett oder Bettgittern betroffen. Das ist weniger als vor drei Jahren (20%), betrifft aber damit an die 100.000 Menschen, die hier in Ihren grundlegenden Freiheitsrechten eingeschränkt werden. Häufig unnötig, denn Pflegeexperten gehen davon aus, dass im Pflegealltag weitgehend auf solche Eingriffe in fundamentale Persönlichkeitsrechte verzichtet werden kann. In 8 % der Fälle fehlt sogar die zwingend erforderliche richterliche Genehmigung für derartige Maßnahmen. 

Gravierende Mängel finden sich auch bei der medizinischen Versorgung. Die Prüfer stellen fest, dass bei 10% der betroffenen Bewohner die Medikamentenversorgung nicht den ärztlichen Anordnungen entspricht. Dies sind rund 80.000 Menschen, die medikamentös falsch versorgt werden.

Ein weiteres Beispiel betrifft Druckgeschwüre, die durch langes Liegen entstehen können. Etwa 43 % der Bewohner haben aufgrund ihrer Bettlägerigkeit dafür ein erhöhtes Risiko. Bei etwa einem Viertel des betroffenen Personenkreises wurden die hier gebotenen erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung nicht durchgeführt. Das sind hochgerechnet etwa 90.000 Menschen, die nicht die notwendige Versorgung erhalten und damit Gefahr laufen an schmerzhaften Geschwüren zu erkranken.

„Die seit 2009 durchgeführten Prüfungen haben zwar ganz generell zu mehr Qualitätsbewusstsein in der Pflege geführt. Die aktuellen Zahlen zeigen aber, dass weiterhin massive Anstrengungen von allen Beteiligten dringend notwendig sind, um diese Zustände zu ändern“ sagt Stegger.