Pflegeschutzbund e. V.

Abschaffung der Kontrollen der Heimaufsicht

Die geplanten Änderungen in Baden-Württemberg sehen vor, die bisherigen jährlichen Heimaufsichtsprüfungen durch Stichprobenprüfungen zu ersetzen, sodass jede Einrichtung innerhalb von fünf Jahren mindestens einmal geprüft wird. Die anlassbezogene Kontrollen bleiben erhalten. Jedoch sind diese auf Meldungen angewiesen. Ohne aktive Bewohnervertretungen, die potenzielle Missstände melden könnten, besteht die Gefahr, dass Probleme unentdeckt bleiben. Zwar bedeutet diese Neuregelung eine Arbeitsentlastung für die Heimaufsicht, doch könnte sie die Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen erheblich beeinträchtigen.

Erfahrungen zeigen, dass Beratung allein oft nicht ausreicht, um nachhaltige Verbesserungen zu erzielen, wenn keine verbindlichen Konsequenzen folgen. Die Reduzierung der Prüfintervalle und das Fehlen regelmäßiger Kontrollen könnten dazu führen, dass Mängel in der Pflege erst spät oder gar nicht erkannt werden. Dies stellt ein erhebliches Risiko für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Bewohner dar.

Es ist daher essenziell, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bürokratieabbau und der Aufrechterhaltung effektiver Kontrollmechanismen zu finden.

Pflege braucht Qualitätsstandards und Verbraucherschutz

Ein funktionierender Verbraucherschutz schafft Sicherheit und Transparenz, verhindert Missbrauch und sorgt für ein Mindestmaß an Qualität. Würde man den Verbraucherschutz abschaffen, könnten Unternehmen ungestraft minderwertige Produkte verkaufen oder Kunden benachteiligen.

Ähnlich verhält es sich in der Pflege: Qualitätsstandards und Kontrollmechanismen sind essenziell, um die Würde und Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Ohne diese Standards drohen in der Pflege Willkür und die Gefahr, dass vulnerable Gruppen nicht ausreichend versorgt werden. Die Erfahrung zeigt, dass Marktkräfte allein nicht ausreichen, um faire und menschenwürdige Bedingungen zu garantieren. Der Staat muss daher weiterhin Verantwortung übernehmen und  Leitplanken setzen.

Was ist jetzt zu tun?

Die jährlichen Prüfungen müssen erhalten bleiben, Beratung darf nicht das einzige Instrument sein. Ohne Durchsetzungsmacht und Sanktionen fehlt der Heimaufsicht die notwendige Autorität, um auf schwerwiegende Mängel angemessen zu reagieren. Präventive Beratung ist wichtig, darf aber keine Kontrollen ersetzen.

biva.de – Login

Mitglieder erhalten exklusive Inhalte auf biva.de – wie z. B. Vorlagen für Beschwerdebriefe, erweiterte Kommentarfunktion, Berechnung von Abwesenheitstagen – sowie Beratung im Einzelfall durch die Juristen der BIVA.

Sie möchten diese zusätzlichen Services nutzen und sind noch nicht Mitglied im BIVA-Pflegeschutzbund?

Durchsuchen Sie www.biva.de