Freitag, 24. Juni 2016

Patientenrechte gegenüber dem Arzt

Als Patient in Deutschland haben Sie gesetzlich verankerte Rechte. Diese sind als Patientenrechtegesetz in den §§ 630 a ff. BGB festgeschrieben. Gerade im Pflegeheim kann aber der Eindruck entstehen, dass man seine medizinische Versorgung in die Hand von Fachleuten gegeben hat und daher schon alles geregelt sei. Auch wenn die pflegerische und medizinische Vollversorgung in der Einrichtung für viele Menschen ein großer Vorteil ist, sollten Sie natürlich mitentscheiden und diese fünf Regelungen unbedingt kennen:

  1. Grundsätzlich hat jeder das Recht auf freie Arztwahl. Das bedeutet, dass man „seinen Arzt des Vertrauens“ beauftragen kann, unabhängig davon, ob man Kassenpatient ist oder privat versichert. Dazu gehört allerdings auch, dass der Arzt einen entsprechenden Behandlungsvertrag eingehen kann und will. Ist er nämlich z.B. kein Vertragsarzt der GKV, kann er auch die Behandlungen nicht abrechnen. Eine weitere Ausnahme greift dann, wenn der Patient in einem Arbeitsverhältnis steht. Dann kann ein Betriebsarzt vorgeschrieben sein. Außerdem kann man sich auch den diensthabenden Arzt nicht aussuchen, wenn man nach einem Unfall in ein Krankenhaus kommt.
  2. Besonders interessant für Bewohner stationärer Einrichtungen dürfte sein, ob ein Arzt auch in das Heim kommt oder besondere Sprechzeiten ohne lange Wartezeit anbietet, die gerade für ältere und pflegebedürftige Menschen schwierig sind. Eine Pflicht zu Hausbesuchen besteht dann, wenn die Erkrankung des Patienten den Hausbesuch notwendig macht. Denn aus dem abgeschlossenen Behandlungsvertrag folgt die Pflicht, die erforderliche medizinische Hilfe zu leisten. Das bedeutet im Zweifelsfall auch, die volle Praxis zu verlassen, um der erkrankten Person zu helfen. Da gerade bei Bewohnern von Pflegeeinrichtungen ein Praxisbesuch häufig nicht möglich ist, überlegen daher nachvollziehbar viele Ärzte, ob sie tatsächlich neue Patienten aufnehmen sollen, die bereits in einer Einrichtung leben. Das macht es oftmals so schwer, als Heimbewohner einen Arzt nach Wunsch als Hausarzt zu bekommen.
  3. Alle Patienten haben das Recht aufgeklärt zu werden, welche Behandlung sie erfahren sollen, welche Medikamente mit welchem Ziel gegeben werden und welche Risiken bestehen. Dies ergibt sich unmittelbar als Hauptpflicht aus dem Behandlungsvertrag. Die Informationen müssen so erfolgen, dass der Patient sie auch verstehen kann. Das betrifft z.B. auch Nebenwirkungen von Medikamenten etc. Bei Eingriffen oder Operationen muss der Patient zudem auch noch einwilligen. Dies ist aber nur möglich, wenn man vollumfänglich aufgeklärt wird. Die betroffene Person kann sich frei für oder gegen eine Operation entscheiden und muss nicht, nur „weil es das Beste für sie/ihn ist“, zustimmen. Genau diese Überlegungen werden aber bei pflegebedürftigen Menschen häufig außer Acht gelassen.
  4. Die Entscheidung, welche Therapie für einen Patienten die beste ist, trifft allein der Arzt. Der Patient kann aber entscheiden, ob er sich dieser Therapie unterziehen will. Kann sie/er diese Entscheidung nicht mehr selbst treffen, muss dies eine verständige rechtlich legitimierte Person für sie/ihn tun. Dazu gehört, dass diese dritte Person sich vollumfänglich über die Chancen und Risiken einer Maßnahme beraten lässt, um dann im Sinne der/des Betroffenen zu entscheiden. Diese Entscheidung sollte sehr sorgsam getroffen werden.
  5. Patienten haben selbstverständlich auch ein Recht auf Akteneinsicht, geht es dabei doch um ihre persönlichen Daten. Die Einsichtnahme darf nicht verweigert werden und der Inhalt muss für Dritte verständlich sein.