Mittwoch, 10. Dezember 2014

Mobbing im Heim

Das Thema „Mobbing“ kennt man aus der Presse im Zusammenhang mit Schülern unter sich, gegenüber Lehrern oder im Arbeitsverhältnis, wenn Kollegen sich untereinander das Leben schwer machen. Mobbing gibt es aber auch in stationären Einrichtungen und wird zu nehmend als Mittel gebraucht, um „Querulanten“ auszubooten. Dabei kann es die Bewohner selbst, den engagierten Beirat oder Angehörige treffen. Mobbing ist häufig wenig greifbar und kann daher auch nur schwierig juristisch verfolgt werden, fehlt es doch oft an Beweisen. Mobbing ist aber laut Definition regelmäßig zugefügte psychische und/oder physische Gewalt bzw. Schmerzen. Gerade dort, wo Menschen – wie in einer Pflegeeinrichtung – regelmäßig zusammenkommen und ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, ist auch die Gefahr von Mobbing gegeben. Dabei kann die Form der Gewalt sich in alle Richtungen wenden: Unter den Bewohnern, in beiden Richtungen zwischen Personal und Bewohnern usw. Kommt dann noch mangelnde Kommunikation hinzu, wird das Problem verstärkt. Leider stellen wir in letzter Zeit immer wieder fest, dass Träger Anfragen und Probleme „aussitzen“ und die Bewohner regelrecht „am langen Arm verhungern“ lassen. Das Risiko von Machtmissbrauch ist gegeben. Dagegen kann nur helfen, immer wieder in die Kommunikation einzutreten und sich und anderen die Gefahr bewusst zu machen.

Der Wissenschaftsjournalist Markus Dietl, der selbst jahrelang in Heimen gearbeitet hat, geht in seinem Buch „Mobbing im Heim – Gewaltfreie Lösungswege“ Formen, Ursachen, Hilfen für Betroffene und Strategien zur Verhinderung systematisch nach. Sein Lösungsansatz liegt in Gewaltprävention durch „empathische Kommunikation“: Durch Kommunikation und Einfühlen in den Kommunikationsteilnehmer soll das Hierarchieverhältnis in ein partnerschaftliches umgewandelt und für diese Form der Gewalt sensibilisiert werden. Das Buch ist mit Praxisbeispielen aufbereitet und richtet sich v.a. an all diejenigen, die für alte, pflegebedürftige oder sozial benachteiligte Menschen in der Verantwortung stehen und auch an die Betroffenen, die sich vielleicht dessen gar nicht bewusst sind, dass sie Opfer von Mobbing-Gewalt geworden sind.

Dietl: Mobbing im Heim, Springer-Verlag, 111 Seiten, 19,99 €, ISBN 978-3-658-06251-4