Freitag, 27. März 2015

Mitwirkung und Mitbestimmung beim Essen im Pflegeheim

Die Verpflegung ist in Wohn- und Betreuungseinrichtungen ein Thema von großer Wichtigkeit. Essen hält nicht nur Leib und Seele zusammen, sondern ist für viele ältere und pflegebedürftige Menschen ein Genuss, dem noch gefrönt werden kann, wenn andere Aktivitäten eingeschränkt sind. Das Essen ist aber noch viel mehr. Ist die Verpflegung optisch und geschmacklich ein Genuss, werden viele Sinne angesprochen. Auch das Anfassen von Essen stellt einen taktilen Reiz dar. Gerade in Einrichtungen für demenziell erkrankte Menschen weiß man dies zu schätzen und hält Angebote, wie z.B. Fingerfood, vor. Die regelmäßigen Mahlzeiten bieten aber auch eine Tagesstruktur, die gerade für ältere Menschen wichtig ist. Gemeinsame Mahlzeiten bedeuten Begegnung und Sozialkontakte.

Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass die Gesetzgeber der jeweiligen Landesheimgesetze den gewählten Bewohnervertretungen eine Mitwirkung bei den Grundsätzen der Verpflegungsplanung aufgegeben haben. Mitwirkung bedeutet, ein Initiativ-, Informations- und Erörterungsrecht zu haben. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein besteht das weiter reichende Recht zur Mitbestimmung. Was aber bedeutet das? Was wird von den „Grundsätzen der Verpflegungsplanung“ umfasst? Dazu kann die Festlegung des Zeitpunkts der Mahlzeiteneinnahme gehören oder die Berücksichtigung bestimmter regionaler oder saisonaler Besonderheiten bei der Essensplanung. Allerdings ist die Bewohnervertretung nicht berechtigt, Maßnahmen entgegen der unternehmerischen Grundentscheidungen des Trägers zu erzwingen. Ein Beispiel dafür wäre, dass die Entscheidung des Trägers, die Mahlzeitenfertigung durch einen Caterer vornehmen zu lassen nicht dahingehend zurückgezwungen werden kann, dass nunmehr wieder eine hauseigene Küche einzurichten ist.

Praxisbeispiele: Fragebogenaktion durch den Beirat

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Mitwirkung einer Bewohnervertretung hat sich in Nordrhein-Westfalen ergeben. Dort hatten die Mitglieder des Beirats über einen längeren Zeitpunkt beobachtet, dass die Kartoffeln fast vollständig nach den Mahlzeiten in die Küche zurückgingen. Eine daraufhin eingeleitete anonyme Befragung unter den Mitbewohnerinnen und -bewohnern hat ergeben, dass die Kartoffeln für viele zu hart waren. Mit diesem Einwand hat man sich dann an den Küchenausschuss gewandt und das Thema besprochen. In der Folge wurde zusammen mit der Küchenleitung, Mitarbeitern des Hauses und den Beiratsmitgliedern eine „Kartoffelprobe“ durchgeführt. Dies hat letztendlich dazu geführt, dass seitdem eine andere Kartoffelsorte eingekauft und verarbeitet wird.

In einem anderen Beispiel gab es eine Vielzahl pauschaler Beschwerden über die Qualität des Essens in der Einrichtung. Auch hier konnte der Beirat Mitbewohner und Angehörige durch einen anonymen Fragebogen in die Lösung mit einbeziehen. Er fand heraus, dass das Essen vielen Bewohnern zu ungewürzt schmeckte. Im Alter lässt die Geschmackswahrnehmung nach und bestimmte Medikamente können den Geschmack beeinflussen. Mit Hilfe des Beirats konnte durchgesetzt werden, dass mehr Gewürze verwendet und andere Wurst- und Käsesorten angeboten wurden. Nachahmenswerte Beispiele, die für eine erfolgreiche Beiratsarbeit sprechen.

 

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