Mittwoch, 09. September 2020

„Lebensqualität und Infektionsschutz im Pflegeheim aus Sicht des Verbraucherschutzes“

BIVA veröffentlicht Positionspapier

Bonn. Der BIVA-Pflegeschutzbund hat vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie ein Positionspapier veröffentlicht: Der Verbraucherschutzverein plädiert dafür, die Erfahrungen aus der Pandemie zu nutzen und Fehler aus der Anfangsphase zu vermeiden. Insbesondere eine soziale Isolation der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner müsse um jeden Preis verhindert werden.

Als Anlauf- und Beratungsstelle bei Problemen im Pflegeheim erreichten den BIVA-Pflegeschutzbund in den vergangenen Monaten tausende Beratungsanfragen. Die Ratsuchenden schilderten die gravierenden Auswirkungen der Corona-bedingten Besuchseinschränkungen in Pflegeheimen: Verlust von Fähigkeiten durch ausbleibende Therapie- und Betreuungsangebote, unerträgliche Besuchssituationen oder Depressionen, Selbstmordgedanken und sogar Selbsttötungen aufgrund der sozialen Vereinsamung.

Angesichts dieser gravierenden negativen Auswirkungen der ausbleibenden Besuche auf die Bewohnerinnen und Bewohner stellt der BIVA-Pflegeschutzbund die Frage, ob dieses Mittel im Verhältnis zur Wirkung angemessen war und muss dies entschieden verneinen. Ohne Zweifel seien alte Menschen eine besonders verletzliche Gruppe, die in besonderer Weise vor Ansteckung geschützt werden müsse. Aber viele negative Auswirkungen wären zu vermeiden gewesen, wenn behördliche Entscheidungen besser durchdacht und von Heimseite bewohnerfreundlicher umgesetzt worden wären. Es dürfe nicht Sinn von Verordnungen sein, dass die Menschen, die geschützt werden sollen, massiv in ihren Grundrechten und ihrer Freiheit beschnitten werden.

Ein halbes Jahr nach den ersten Besuchsverboten sei es nun allerhöchste Zeit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, auch wenn man sich derzeit in einer Phase des „Durchatmens“ befinde. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen dürften nicht vergessen werden: Noch immer gibt es Einrichtungen, die den Besuchskontakt erheblich erschweren und mit unnötigen bürokratischen Hürden arbeiten. Inzwischen rechnen manche Beobachter mit einer zweiten Infektionswelle und in der Öffentlichkeit wird neuerlich über verschärfte Besuchsregelungen und Kontaktverbote in Senioreneinrichtungen diskutiert.

Der BIVA-Pflegeschutzbund fordert die Akteure in Politik, Verwaltung und bei den Heimbetreibern auf, zum Schutz der Heimbewohner und der Allgemeinheit sachgerechte Konzepte zu erarbeiten, die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen klar regeln, Überprüfungen der Verhältnismäßigkeit ermöglichen, die Grundrechte unbedingt wahren und nicht den Löwenanteil der Einschränkungen bei den Schwächsten, den Bewohnerinnen und Bewohner abladen. Als Anwalt der Betroffenen steht der Pflegeschutzbund bereit, bei den gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen konstruktiv mitzuwirken.

Lesen Sie hier das vollständige Positionspapier mit den konkreten Forderungen.