Freitag, 24. Oktober 2014

Kündigung des Heimvertrags als Konfliktlösung?

KündigungLebt eine pflegebedürftige Person in einer stationären Einrichtung, sollte das Verhältnis aller Beteiligten im Idealfall von gegenseitigem Vertrauen geprägt sein. Die Angehörigen möchten darauf vertrauen, dass ihre Mütter und Väter fachlich gut und würdevoll betreut und gepflegt werden. Die Pflegekräfte möchten darauf vertrauen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird und die Einrichtungsleitungen müssen ihren Mitarbeitern vertrauen und hoffen, dass sich zu den Bewohnern und Angehörigen ein Verhältnis auf Augenhöhe entwickelt. Gibt es Probleme, wäre es wünschenswert, wenn sich alle an einen Tisch setzen könnten. Dass sich dabei die Einrichtungsleitungen auch im Rahmen ihrer Arbeitgeberpflichten vor ihre Mitarbeiter stellen und die Angehörigen für ihre Lieben kämpfen, ist selbstredend. In letzter Zeit sind bei uns jedoch mehrere Fälle aufgetreten, in denen Angehörige kritische Verhaltensweisen von Pflegepersonen bis hin zu Übergriffigkeiten massiv kritisiert haben und keine Reaktion seitens der Einrichtungsleitung erfolgt ist. In einigen Fällen haben sich die Angehörigen daher – teilweise sogar auf Anraten der um Rat gefragten Heimaufsicht – an die Polizei wenden müssen, wenn ein Verdacht der Vernachlässigung, Körperverletzung oder gar sexuellen Belästigung vorlag. Die Reaktionen der betroffenen Einrichtungsleitungen waren in den hier bekannt gewordenen (Einzel-)Fällen vermehrt die Kündigung des Heimplatzes. Entweder (plötzlich) begründet mit dem schwierigen Verhalten der oftmals demenzkranken Bewohner selbst oder wegen des ungebührlichen Verhaltens der Angehörigen. Eine Reaktion, die hilflos und wütend stimmt, weil die Hauptleidtragenden die betroffenen Bewohner sind. Und dies, obwohl sie eventuell vorher schon Opfer einer Vernachlässigung oder sogar Straftat geworden sein könnten. Es waren mehrere Fälle in den letzten Monaten aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands. In diesen Fällen mussten wir bemerken, dass Hausverbote und Kündigungen gegenüber den Angehörigen als Drohszenarien aufgebaut wurden. Vollkommen unnötig, bestätigen uns auch viele Heimleitungen, wenn man sachlich an die Sache herangeht.

Lassen Sie uns stattdessen darüber reden und diskutieren! Ihre Meinung zu dem Thema können Sie auf unserer Facebook-Seite uns und allen Interessierten mitteilen.

Selbstverständlich darf kein Bewohner einer Einrichtung Opfer von kritischen Verhaltensweisen werden. Natürlich können Angehörige nicht wegsehen, wenn Erkenntnisse vorliegen, dass ihre pflegebedürftigen Angehörigen Nachteile erfahren. Nachvollziehbar kann eine Einrichtungsleitung es nicht hinnehmen, dass das ohnehin häufig schon überlastete Personal mit Anzeigen überzogen wird und dadurch Angst bekommt, überhaupt zu arbeiten oder mit Angehörigen zu sprechen. Helfen kann hier nur ein offener Umgang mit dem Thema. Dazu bedarf es eines Konzepts zum Krisenmanagement in derartigen Situationen. Die Versorgung der Bewohner und eine möglichst neutrale Aufklärung des Sachverhalts müssen im Vordergrund stehen. Schwierig ist, dass die betroffenen, häufig dementen Bewohner schlechte Zeugen im klassischen Sinn sind. Hier bedarf es auch seitens der ermittelnden Behörden viel Fingerspitzengefühls. Ein Strafverfahren könnte aber in vielen Fällen vermieden werden, wenn ein sofortiges Gespräch stattfinden würde. Und das ist mal wieder eine Sache des gegenseitigen Respekts. Geben Sie uns Anregungen, damit wir die Kommunikation miteinander in Gang setzen können.