Pflegeschutzbund e. V.

Klage gegen nicht nachvollziehbare Heimkosten

Klage abgeschlossen - jetzt muss die Politik handeln

Unsere Klage gegen pauschale Entgelterhöhungen in Pflegeheimen ist abgeschlossen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden, dass solche Schreiben zulässig seien. Ein Ergebnis, das aus unserer Sicht zeigt, dass die gesetzlichen Regelungen unzureichend sind. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Damit endet das gerichtliche Verfahren, aber nicht unser Einsatz. 

Wir bringen das Thema jetzt in die Politik – dorthin, wo die Regeln gemacht werden.

Was entschieden wurde

Das Urteil

Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat am 07.10.2025 entschieden, dass Entgelterhöhungen pauschal und ohne nachvollziehbare Begründung zulässig seien. Die Gesamtkosten, die auf die Bewohner:innen verteilt werden, müssen nicht genannt werden, und auch der konkrete Umlagemaßstab muss nicht angegeben werden.

Keine Revision möglich

Das Gericht hat die Revision nicht zugelassen. Aufgrund des festgesetzten niedrigen Streitwerts ist auch eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung ausgeschlossen.
Der Rechtsweg ist damit formal beendet.

Warum das Urteil ein politisches Problem ist

Das Urteil offenbart eine Lücke im Verbraucherschutz:
Pflegeheime können Entgelte erhöhen, ohne dass Betroffene klar erkennen, warum. Das widerspricht dem Grundgedanken des WBVG, das Verbraucher eigentlich schützen soll.

Deshalb sagen wir: Wenn Gerichte über die derzeitige gesetzlichen Regelung so urteilen , muss der Gesetzgeber handeln und das Gesetz im Sinne der Heimbewohner:innen ändern.

Dieses Urteil macht unmissverständlich klar, dass Transparenz für die Verbraucher nur durch einen Gesetzesänderung erreicht werden kann.

Was wir jetzt tun

Wir verlagern den Einsatz für transparente Heimkosten nun in den politischen Raum und gehen dabei konsequent vor:

1. Policy-Papier zur WBVG-Reform
Wir erarbeiten ein kompaktes Reformpapier mit konkreten Vorschlägen zu Transparenzpflichten und übergeben es dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie relevanten Fachausschüssen. 

2. Gespräche mit Abgeordneten und Ministerien
Wir suchen gezielt den Austausch mit Mitgliedern des Gesundheitsausschusses, Verbraucherschutzausschusses und den zuständigen Landesministerien.

3. Bündnisse mit Sozial- und Verbraucherverbänden
Gemeinsam mit anderen Organisationen verstärken wir den politischen Druck und arbeiten an einer gemeinsamen Position.

4. Dokumentation realer Fälle
Wir sammeln bundesweit Beispiele pauschaler Entgelterhöhungen, um den politischen Reformbedarf mit Daten aus der Praxis zu unterfüttern.

5. Fachliche Öffentlichkeitsarbeit
Wir bereiten einen Fachbeitrag und Hintergrundmaterial vor, um das Thema bundesweit sichtbar zu halten – in Medien, Fachkreisen und Politik. Im aktuellen System werden die Betroffenen nicht an Entgelterhöhungen beteiligt – oder vor den starken Erhöhungen geschützt -, müssen aber den Großteil zahlen. Es bedarf eines gesellschaftlichen Umdenkens, dass Hilfebedürftige Verbraucher:innen sind und keine Bittsteller.

Unser Ziel:
Transparenz bei Heimkosten darf nicht vom guten Willen einzelner Einrichtungen abhängen – sie muss verlässlich im Gesetz stehen.

Was Ihre Unterstützung bewirkt hat

Dank zahlreicher Spenderinnen und Spender konnten wir das Verfahren überhaupt führen und das Thema bundesweit platzieren – auch in Politik und Medien.

Ihr Beitrag hat dafür gesorgt, dass ein strukturelles Problem sichtbar wurde, das nun endlich politisch gelöst werden muss.
Dafür sagen wir: Vielen Dank.

FAQ

Weil das Oberlandesgericht sie nicht zugelassen hat und der Streitwert so niedrig festgesetzt wurde, dass auch eine Beschwerde gegen diese Nichtzulassung ausgeschlossen ist.

Auch wenn das Urteil enttäuschend ist: Der Weg dorthin war nicht umsonst.

  • Das Problem wurde bundesweit sichtbar.
    Medien, Politik und Verbände haben das Thema Transparenz bei Heimkosten stärker wahrgenommen als je zuvor. Es hat Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Problem gelenkt und Gespräche und  Artikel mit Entscheidungsträgern und Journalisten ermöglicht.

  • Die politische Lücke ist klar zutage getreten.
    Das Urteil zeigt eindeutig: Die aktuellen gesetzlichen Vorgaben sind zu schwach, zu interpretierbar und schützen Verbraucher:innen nicht ausreichend.

  • Wir haben ein höherinstanzliches Urteil erzwungen.
    Um überhaupt eine Entscheidung einer zweiten Instanz zu erreichen, mussten wir mehrere Verfahren anstrengen. Erst dadurch war das Thema für das OLG zugänglich und der politische Druck wurde signifikant erhöht.

  • Für viele Betroffene konnten wir dennoch Verbesserungen erzielen.
    Allein durch unsere Interventionen und Beratung haben wir in einer Vielzahl von Einzelfällen zu faireren Lösungen beigetragen, wir konnten dabei die Unwirksamkeit von Erhöhungen geltend machen, so dass diese nicht zu bezahlen waren.

Das Gericht hat uns nicht Recht gegeben – aber es hat sehr deutlich gemacht, dass das Gesetz selbst das Problem ist. Genau hier setzen wir jetzt an.

Dank Ihrer Unterstützung konnten wir das Verfahren auf solide Beine stellen und bis zur zweiten Instanz führen. Insgesamt wurden rund 27.000 € gespendet. Diese Mittel wurden für folgende Aufgaben eingesetzt:

Gerichtliche Kosten und anwaltliche Vertretung

Die Kernkosten entstanden durch die Klage selbst: anwaltliche Gebühren, Gerichtskosten und der gesamte Schriftverkehr. Ohne die Spenden wäre die Durchführung – gerade in der zweiten Instanz – nicht möglich gewesen.

Mehrere parallel geführte Verfahren

Um ein Verfahren überhaupt vor ein Oberlandesgericht bringen zu können, mussten wir mehrere Klagen in verschiedenen Konstellationen anstrengen. Erst dadurch wurde eine Fallgestaltung erreicht, die das OLG überhaupt zur Entscheidung brachte. Diese Vorverfahren verursachten ebenfalls Kosten – und waren zwingend erforderlich, um eine grundsätzliche Klärung zu erzwingen.

Rechtliche Analyse & Gutachtenarbeit

Unsere Jurist:innen haben umfangreiche Prüfungen, Dokumentationen und Bewertungen erstellt.

Öffentlichkeitsarbeit & fachliche Kommunikation

Damit das Thema Reichweite bekommt, haben wir Informationen aufbereitet, Medien kontaktiert und Hintergrundgespräche geführt. Diese Arbeit sorgt dafür, dass das Problem nicht „in der Akte“ verschwindet, sondern politisch sichtbar bleibt.

Politische Vorbereitungsarbeit

Schon während des Verfahrens war klar: Selbst ein positives Urteil hätte politischen Reformbedarf hinterlassen. Deshalb haben wir parallel begonnen, Defizite zu dokumentieren und politische Handlungsoptionen zu skizzieren – Arbeit, die jetzt Basis für unsere kommenden Schritte ist. Hier bleibt weiterhin vieles zu tun!

Kurz gesagt:
Die Spenden haben ermöglicht, dass wir das Thema nicht nur juristisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch verankern konnten. Ohne sie wäre die Auseinandersetzung in dieser Form nicht möglich gewesen.

Hintergrund: Wie kam es zu der Klage?

Im Frühjahr 2024 hat der BIVA-Pflegeschutzbund Berufung gegen ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf eingelegt. Im Kern ging es um ein Musterschreiben zur Entgelterhöhung, das ein großer Trägerverband in Umlauf gebracht hatte und das in vielen Einrichtungen Nordrhein-Westfalens verwendet wird. Aus unserer Sicht verstößt dieses Schreiben gegen grundlegende Transparenzpflichten – Betroffene erfahren darin nicht nachvollziehbar, warum die Kosten steigen. Das Landgericht sah das jedoch anders und bestätigte das Schreiben.

Warum ist das relevant? Weil dieses Muster bundesweit Schule machen könnte. Durch diese Entscheidung können Pflegeheime Entgelte erhöhen, ohne die Höhe der Kosten und wie genau diese Kosten verteilt werden, offenlegen zu müssen. Das betrifft potenziell alle eine Million Heimbewohner:innen.

Deshalb hat die BIVA den Fall nicht als Einzelfall behandelt, sondern als strategisches Verfahren zur Stärkung der Verbraucherrechte. In den vergangenen Jahren mussten wir bereits über 15 gerichtliche Verfahren anstrengen – unter anderem zu Entgelterhöhungen, Kündigungen und intransparenten Abrechnungen –, weil nur gerichtlicher Druck strukturelle Verbesserungen schafft. Erst durch mehrere Klagen zu diesem Themenkomplex konnten wir überhaupt eine Entscheidung einer höheren Instanz erreichen – auch wenn diese schließlich nicht zu unseren Gunsten ausfiel.

Dieses Verfahren ist damit ein Teil unseres umfassenden Engagements für mehr Gerechtigkeit in der Pflege: in der individuellen Beratung, durch politische Arbeit und – wo nötig – durch Klagen.

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