Freitag, 09. Juni 2017

Hitze im Pflegeheim – Darauf sollten Sie achten

Hitze kann für Senioren im Allgemeinen zu einem Problem werden, wenn sie nicht genug trinken, keine ausreichenden Ruhezeiten einhalten oder sich ohne Kopfbedeckung direkter Sonneneinstrahlung aussetzen. Schneller als bei jungen Menschen können hohe Temperaturen zu Kreislaufproblemen und Schwäche führen. Denn die körperlichen Warnsignale für Überhitzung setzen bei älteren Menschen erst verzögert ein.

Bei älteren Menschen mit Pflegebedarf kommt hinzu, dass deren Erkrankungen die Auswirkungen von Überhitzung noch verschlimmern können. Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung leben, sind darüber hinaus oftmals auf Hilfe angewiesen, um sich gegen die Hitze zu wappnen, und müssen sich in manchen Dingen mit den anderen Bewohnern abstimmen. Die Einrichtungen sind in den meisten Fällen auf eine Hitzewelle eingestellt: Es gibt präventive Handlungsempfehlungen, Hitze-Warnsysteme, etwa des Deutschen Wetterdienstes, und pflegerisch-medizinische Ratgeber hierzu.

Je nach baulichen Gegebenheiten und Einzelfall greifen die Maßnahmen der Einrichtungen aber unterschiedlich gut, so dass uns Probleme mit Hitze in Pflegeheimen immer wieder erreichen. Einige der häufigsten Fragen an unseren Beratungsdienst haben wir hier zusammengestellt:

Hitze

Wenn ein großes Gebäude wie eine Pflegeeinrichtung sich nach ein paar heißen Tagen richtig aufgeheizt hat, steigt auch die Temperatur in den Zimmern auf ein schwer erträgliches Maß.

Leider gibt es keine Richtwerte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Pflegeheimen, im Gegensatz etwa zu Büroräumen. Als Bewohner hat man demnach keinen vertraglichen Anspruch auf Klimatisierung oder Luftbefeuchtung.

Das Einrichtungspersonal hat aber dennoch dafür zu sorgen, dass die Hitze keine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit werden kann. Das ergibt sich schon aus der allgemeinen Fürsorgepflicht, die die Würde und Schutz der Bewohner garantieren sollte. Insbesondere die folgenden vier Bereiche sollten dabei beachtet werden:

Flüssigkeitsversorgung

Ausreichend viel zu trinken, ist die wichtigste individuelle Maßnahme bei Hitze, um Austrocknung oder einen Hitzeschlag zu verhindern. Dem Verlust von Mineralstoffen durch Schwitzen muss etwas entgegengesetzt werden.

Das Durstempfinden lässt aber im Alter nach. Das heißt, dass alte Menschen häufig weniger Durst empfinden und daher weniger Flüssigkeit trinken als sie benötigen. Hinzu kommen häufig Schluckstörungen, die dazu führen, weniger zu trinken. Laut einer aktuellen Studie sind Schluckstörungen weiter verbreitet, als bisher angenommen. Bei einer anhaltenden Hitzewelle ist das Pflegepersonal besonders gefordert. In gefährlichen Situationen muss ein systematischer Trinkplan aufgestellt und dessen Einhaltung kontrolliert werden.

Ernährung

Schwer verdauliches Essen belastet den geschwächten Körper in Zeiten großer Hitze zusätzlich. Leichte Ernährung mit wasserreichem Obst und Gemüse anstatt schwerer Kost, verteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten, können diese Belastung abschwächen. Auf eine entsprechende Umstellung des Essensplans kann auch der Beirat der Einrichtung im Rahmen seiner Mitwirkungsrechte einwirken.

Belüftung

Bei sehr hohen Außentemperaturen muss die Raumtemperatur mit allen Mitteln gesenkt werden. Hierzu gehört auch möglichst die ganze Nacht die Räume durch Öffnen von Fenstern zu kühlen. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass keine Erkältungskrankheiten aufgrund des Luftzugs entstehen. Am Tag sollten die Fenster dagegen  geschlossen bleiben, damit nicht ständig heiße Luft von draußen in das Gebäude strömt und die Räume immer mehr erhitzt. Die nötige Abkühlung durch einen erfrischenden Luftzug kann stattdessen durch  Ventilatoren geschaffen werden, um Verdunstungskühle an der Haut zu ermöglichen.

Ein weiteres Problem während Hitzeperioden kann die geringe Luftfeuchtigkeit sein. In extremen Fällen können Luftbefeuchter Abhilfe schaffen. Allerdings ist hierbei auf eine fachgerechte Wartung zu achten, weil die Geräte ansonsten schnell mit Keimen belastet sind und diese im Raum verteilen.

Verdunkelung

Eine Verdunkelung des Zimmers, bestenfalls von außen, ist ein effektiver Weg, die Hitze draußen zu halten – gerade, wenn man das Zimmer nicht verlassen kann. Leider gibt es auch neue Einrichtungen, in deren Planung Jalousien, Fensterläden oder Rollos nicht in allen Zimmern vorgesehen sind.

Auch hierbei ist es aber so, dass es keinen Anspruch auf Verdunkelung gibt. Die Pflegekräfte sollten aber zumindest darauf achten, dass die pflegebedürftige Person möglichst nicht direkt in der Sonne liegt. Oftmals lässt sich mit relativ wenig Aufwand ein Sonnenschutz nachrüsten. Auch dies kann ein Thema für den Beirat sein im Rahmen seiner Mitwirkung hinsichtlich des Wohnumfeldes und der Gestaltung der Gemeinschaftsräume. Dieses Recht ist in den meisten Landesheimgesetzen festgeschrieben.

Was tun, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden?

Sollte in Ihrer Einrichtung keine funktionierenden Maßnahmen gegen Perioden starker Hitze getroffen werden, sollten Sie das Thema unbedingt direkt beim Personal und über den Beirat ansprechen. Sollten Sie mit Ihrem Anliegen auf „taube Ohren“ stoßen, können Sie sich auf folgende rechtlichen Richtlinien berufen:

  • Ordnungsrecht: In allen Landesheimgesetzen ist die Fürsorgepflicht der Träger für Würde und Schutz der Bewohner festgeschrieben.
  • Vertragsrecht: Der Träger ist verpflichtet, einen zum vertragsgemäßen Gebrauch notwendigen Zustand zu schaffen. Bei extrem hohen Temperaturen in den Wohnräumen ist dieser kaum gegeben.

Arbeitsschutz: Erträgliche Temperaturen in den Räumen der Bewohner sind auch im Interesse des Pflegepersonals – schließlich arbeiten sie dort. In den Arbeitsschutzrichtlinien sind Vorgaben zur Temperatur und zur Belüftung definiert. Dort werden je nach Art und Dauer der Tätigkeit unterschiedliche Temperaturen und Maßnahmen genannt. Bei mehr als 35 ° C ist demnach ein Raum nicht mehr als Arbeitsraum zu benutzen.

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