Mittwoch, 04. März 2020

Bewohnervertretungen im Heim sollen und müssen sich einmischen

Die Bewohnervertretung in einer stationären Einrichtung hat vielfältige Aufgaben. Einige sind allgemeiner formuliert, wie z.B. „Anregungen und Beschwerden entgegennehmen“ andere sind schon detaillierter geregelt wie z.B. „mitwirken bei Maßnahmen zur sozialen Betreuung und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“ oder bei der „Gestaltung der Grundsätze von Unterkunft und Betreuung“. Tatsache ist, dass es vom Gesetzgeber gewollt ist, dass die Bewohnervertretungen das Alltagsleben der Bewohnerschaft in deren Sinne mit beeinflussen und Probleme ansprechen, um sie einer Lösung zuzuführen.

Das gefällt nicht jeder Hausleitung, zumal, wenn es augenscheinlich Probleme gibt. Anstatt den Beirat dann als Hilfe zu betrachten, die Einblicke in die Gefühlswelt von Bewohnerinnen und Bewohnern gibt, wird schnell versucht, einen Riegel vorzuschieben. So auch in einem Beratungsfall, in dem einem Beirat vorgeworfen wurde, sich in Dinge einzumischen, die ihn nichts angingen:

Es hatten sich diverse Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder beim Beirat über bestimmte Mitbewohner beschwert, die krankheitsbedingt für Unruhe im Alltagsleben sorgten, indem sie z.B. fremde Zimmer betraten. Der Beirat hatte sich daraufhin intensiv mit dem Problem beschäftigt, die Einrichtungsleitung angeschrieben und Lösungsvorschläge unterbreitet. Dabei war den Beiratsmitgliedern durchaus bewusst, dass jeder Bewohner Rechte hat, und die erarbeiteten Vorschläge waren nicht nur konstruktiv, sondern durchaus „sozialverträglich“ und innovativ. Dennoch erfolgte als Reaktion der Einrichtung der Hinweis darauf, Beiräte sollten sich nicht in die Pflege einmischen, sondern sich um allgemeine Dinge kümmern.

Was die Einrichtungsleitung verkannt hat, war die gesetzliche Regelung, dass Beiräte nicht nur Beschwerden entgegennehmen, sondern in der Mehrzahl der Landesheimgesetze auch „erforderlichenfalls durch Verhandlungen mit der Einrichtungsleitung oder in besonderen Fällen mit dem Träger auf ihre Erledigung hinwirken“ sollen. Es ist in einem solchen Fall also nicht nur das Recht eines Beirats, sich einzumischen, sondern sogar seine Pflicht, wenn er seine Aufgaben vollumfänglich ausfüllen will. Sollten dabei unterbreitete Vorschläge nicht zielführend oder mit dem geltenden Recht oder Standard vereinbar sein, wird eine konstruktive Einrichtungsleitung sicherlich begründen können, warum diese Ideen nicht umgesetzt werden können.

Über das einzelne Problem hinaus entscheidend ist ein vertrauensvoller Umgang miteinander. Die kategorische Ablehnung aller Vorschläge des Beirats bewirkt das Gegenteil: Misstrauen, Unzufriedenheit und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Nicht ohne Grund ist eine Bewohnervertretung in allen Bundesländern und damit allen Landesheimgesetzen vorgeschrieben und kann als wertvolles Potential verstanden werden. Gibt es Unstimmigkeiten über den quantitativen und / oder qualitativen Umfang der Tätigkeit, können neutrale Schulungen allen Beteiligten Aufklärung verschaffen und Grenzen abstecken.