Freitag, 20. Dezember 2019

Vor zehn Jahren erfolgreich gegen Hausverbot gewehrt –

und bis heute ehrenamtlich engagiert

Frau B. engagierte sich bereits sieben Jahre ehrenamtlich in einem südhessischen Seniorenheim, als ihr im Juli 2009 vom Pförtner ein Hausverbot mit sofortiger Wirkung und ohne Begründung übermittelt wurde. Überrascht fragte Frau B. nach Gründen und bat um ein Gespräch, beides wurde jedoch abgelehnt. Frau B. gab sich damit nicht zufrieden, sondern veröffentlichte eine Anzeige mit dem Titel „Hausverbot – warum?“ im örtlichen Amtsblatt. Zudem organisierte sie Ende August mit ihrer Familie eine Demonstration vor dem Seniorenheim am Tag des jährlichen Sommerfestes und sammelte Unterschriften bei den Besuchern. Nach Intervention des BIVA-Pflegeschutzbunds und der Heimaufsicht wurde Frau B. schließlich von der Geschäftsleitung für November zu einem Gespräch eingeladen, in dem das Hausverbot tatsächlich aufgehoben wurde. Die Frage nach den Gründen für das Verbot blieb dennoch unbeantwortet. Erst zehn Jahre später, also im Oktober 2019, fand auf Wunsch von Frau B. hin ein Gespräch mit dem damaligen Geschäftsführer statt, der das Hausverbot ohne Angabe von Gründen ausgesprochen hatte. Als Begründung nannte dieser, das Personal des Hauses habe sich von ihr unter Druck gesetzt gefühlt und für eine Abmahnung sei keine Zeit gewesen.

„Im Nachhinein merke ich, wie mich dieses Hausverbot ohne Angabe von Gründen belastet und gleichzeitig stark gemacht hat. Somit möchte ich allen Menschen Mut machen, die sich ehrenamtlich auf die verschiedenste Art und Weise engagieren. Ehrenamtliche benötigen wir dringend, denn sie bringen die Außenwelt ins Heim und gewährleisten, dass die Bewohnerinnen und Bewohner nicht vereinsamen.“

Frau B. engagiert sich nach wie vor

In diesem Sinne ist Frau B. auch weiterhin aktiv für die Bewohner im Einsatz. So hat sie etwa einen Spiele-Nachmittag mit Jugendlichen ins Leben gerufen und erreicht, dass es ein Beschäftigungsangebot in den Wohnbereichen gibt. Der Abschiedsraum wurde neu gestaltet, das Personal trägt inzwischen Namensschilder und letztlich wurde die Ombudsstelle stationäre Pflege in der Kreisverwaltung Main-Taunus-Kreis durch die Bemühungen von Frau B. mit Unterstützung des BIVA-Pflegeschutzbunds ins Leben gerufen. Dort gibt es kostenlose Hilfe dabei, Probleme in der stationären Pflege außergerichtlich beizulegen.

Das Beispiel von Frau B. zeigt, dass es sich lohnt, ein Hausverbot nicht einfach widerspruchslos hinzunehmen. Mit dem nötigen Durchhaltevermögen haben die wenigsten Hausverbote tatsächlich Bestand. Nur für den Träger unzumutbare Betriebsstörungen bzw. für Mitbewohner unzumutbare Beeinträchtigungen ihrer Interessen können die Begrenzung des Besuchsrechts legitimieren – und das ist faktisch eher selten der Fall. Hier finden sich weitere Informationen zum Thema Hausrecht in Heimen.