Montag, 30. Oktober 2017

Häusliche Pflege: Pflegegeld oder Pflegesachleistung?

In unserer täglichen Beratungsarbeit erreichen uns vermehrt Anfragen zur häuslichen Pflege. Hierbei geht es immer wieder um die Begriffe Pflegegeld, Pflegesachleistungen und Kombileistungen. Wir bemühen uns dabei immer, Fachbegriffe verständlich zu „übersetzen“. Gerade der Begriff „Pflegesachleistung“ führt häufig zu Missverständnissen. Gemeint sind damit keine „Sachen“, sondern die Dienstleistungen professioneller Pflegeeinrichtungen. Grund genug, die Leistungen der Pflegekasse in der häuslichen Pflege einmal systematisch gegenüberzustellen: Wer im häuslichen Umfeld gepflegt wird, kann entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen beziehen oder eine Kombination wählen.

Pflegesachleistungen

Pflegesachleistungen sind pflegerische Hilfen durch einen Pflegedienst. Der Pflegebedürftige kann körperliche Pflege, pflegerische Betreuungsmaßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung in Anspruch nehmen. Hierbei rechnet der ambulante Pflegedienst seine Leistungen direkt mit der Pflegekasse ab. Der pauschale Betrag der Sachleistung reicht bei umfangreichem Pflegebedarf häufig nicht aus. Dann muss der Pflegebedürftige aus eigener Tasche zuzahlen. Bei finanzieller Bedürftigkeit sind ergänzende Leistungen durch das Sozialamt möglich.

Die Höhe der Pflegesachleistungen ist gesetzlich normiert (§ 36 SGB XI) und richtet sich nach dem Pflegegrad:

Pflegegrad 1           0 Euro

Pflegegrad 2           689 Euro

Pflegegrad 3           1.298 Euro

Pflegegrad 4           1.612 Euro

Pflegegrad 5           1.995 Euro

Pflegegeld

Anstelle von Pflegesachleistungen können Pflegebedürftige Pflegegeld beantragen. Der Anspruch setzt voraus, dass die häusliche Pflege ohne einen Pflegedienst, beispielsweise durch Familie oder Freunde sichergestellt wird. Der Unterschied zwischen Pflegesachleistungen und Pflegegeld besteht also in der Person, die die Pflege übernimmt.

Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich, wie bei den Pflegesachleistungen, nach dem Pflegegrad:

    Pflegegrad 1: 0,- €

    Pflegegrad 2: 316,- €

    Pflegegrad 3: 545,- €

    Pflegegrad 4: 728,- €

    Pflegegrad 5: 901,- €

Die Leistungen der Pflegeversicherung werden regelmäßig angepasst.

Kombileistungen

Schließlich besteht die Möglichkeit, Pflegesachleistungen und Pflegegeld zu kombinieren. Hierbei wird ein Teil der Pflege, beispielsweise das Duschen, von einem Pflegedienst übernommen. Die übrige Pflege wird durch Angehörige oder Freunde übernommen.

Der Pflegebedürftige könnte beispielsweise nur 60 Prozent der Pflegesachleistungen in Anspruch nehmen. Bei Pflegegrad 3 sind dies 778,80 € monatlich. In diesem Fall besteht Anspruch auf anteiliges Pflegegeld. Die Pflegekasse ist in dann verpflichtet, den restlichen prozentualen Anteil von 40 Prozent als Pflegegeld an den Pflegebetroffenen zu zahlen. Bei Pflegegrad 3 sind dies monatlich 218 €.

Die Übertragung von 40 Prozent der Ansprüche auf das Pflegegeld aus dem Rechenbeispiel entspricht der maximalen Umverteilung: Pflegebedürftige können maximal 40 Prozent des Pflegesachleistungsanspruchs für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch nehmen

Die Entscheidung sollte aber wohl bedacht werden, denn man ist an die Kombinationsleistung sechs Monate lang gebunden.

Tipp:

Leistungsnachweise nie blind abzeichnen. Das Abzeichnen der Leistungsnachweise dient der Transparenz und aus diesem Grund sollten sie auch tatsächlich gelesen werden. Eine Leistung, die standardmäßig aufgeführt wird, kann vielleicht nicht jeden Tag erbracht werden. Kommt es irgendwann zu Streitigkeiten, kann es relevant werden, was man abgezeichnet hat.