Kündigung durch den Verbraucher

Unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes ist es wichtig, dass den Verbrauchern ein größtmöglicher Gestaltungsspielraum bei den Kündigungsmöglichkeiten eröffnet wird, die Kündigungsmöglichkeiten für den Unternehmer dagegen auf wenige wichtige Gründe beschränkt bleiben.

 

Die Regelung des WBVG

Der Verbraucher kann den Vertrag bis zum dritten Werktag eines jeden Monats zum Ablauf desselben Kalendermonats schriftlich kündigen.

Bei einer Entgelterhöhung nach § 9 WBVG kann der Verbraucher den Vertrag jederzeit zum Zeitpunkt des Erhöhungsverlangens kündigen, § 11 Absatz 1 Satz 2 WBVG.

Für den Fall, dass für die Überlassung des Wohnraums und die Pflege- oder Betreuungsleistungen jeweils getrennte Verträge mit demselben Unternehmer oder getrennte Verträge mit mehreren Unternehmern geschlossen wurden, können die Verträge nur einheitlich zum selben Zeitpunkt gekündigt werden, wenn

  • der Bestand des Vertrags über die Überlassung des Wohnraums vom Bestand des Vertrags über die Erbringung von Pflege-oder Betreuungsleistungen abhängig ist oder
  • der Verbraucher nach den vertraglichen Vereinbarungen an dem Vertrag über die Wohnraumüberlassung nicht unabhängig von dem Vertrag über die Erbringung von Pflege-oder Betreuungsleistungen festhalten kann.

Die Kündigung muss in diesen Fällen gegenüber jedem Unternehmer erklärt werden, § 11 Absatz 1 Satz 4 WBVG.

Innerhalb von zwei Wochen nach Beginn des Vertragsverhältnisses können Verbraucher den Vertrag jederzeit ohne Einhaltung einer Frist kündigen, § 11 Absatz 2 WBVG.

Wird dem Verbraucher erst nach Beginn des Vertragsverhältnisses eine Vertragsausfertigung ausgehändigt, so kann er bis zu zwei Wochen nach der Aushändigung kündigen.

Der Verbraucher kann den Vertrag jederzeit ohne Kündigungsfrist aus wichtigem Grund kündigen, wenn ihm die Fortsetzung des Vertrages bis zum Ablauf der oben erläuterten ordentlichen Kündigungsfrist nicht zuzumuten ist.

Hat der Verbraucher getrennte Verträge mit einem oder mehreren Unternehmern abgeschlossen, die gemäß § 1 Absatz 2 WBVG voneinander abhängig sind, so kann der Verbraucher entscheiden,

  • ob er nur den Vertrag kündigt, für den ihm ein außerordentliches Kündigungsrecht zusteht, oder
  • ob er auch die anderen Verträge kündigt; in diesem Fall kann die Kündigung nur einheitlich für alle Verträge zum selben Zeitpunkt jedem Unternehmer gegenüber gesondert erklärt werden, § 11 Absatz 3 und 4 WBVG.

Kündigt der Unternehmer einen von mehreren Verträgen, die gemäß § 1 Absatz 2 WBVG voneinander abhängig sind, so kann der Verbraucher zum selben Zeitpunkt alle anderen Verträge kündigen. Die Kündigung muss dann unverzüglich nach dem Zugang der Kündigung des Unternehmers erfolgen. Entsprechendes gilt, wenn nicht nur mit einem Unternehmer, sondern mit mehreren Unternehmern Verträge geschlossen wurden, § 11 Absatz 5 WBVG.

 

Ordentliche Kündigung und Kündigung wegen Entgelterhöhung

Wie bisher im Heimgesetz vorgesehen, können Sie als Verbraucher den Vertrag bis zum dritten Werktag eines jeden Monats zum Ende desselben Monats ordentlich kündigen. Zu beachten ist, dass die Kündigung schriftlich erfolgen und spätestens am dritten Werktag dem Unternehmer zugegangen sein muss. Es kommt also nicht auf den Zeitpunkt der Absendung, sondern auf den Zeitpunkt des Eingangs beim Vertragspartner an. Eine Begründung für die Kündigung ist nicht erforderlich.

Nur diese Fallvariante der ordentlichen Kündigung erfordert nach dem Gesetz eine schriftliche Kündigung. Zu Beweiszwecken ist jedoch bei jeder Kündigung die Schriftform dringend angeraten.

Für den Fall der Entgelterhöhung steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu dem Zeitpunkt zu, zu dem die Entgelterhöhung wirksam werden soll. Da zwischen dem Erhöhungsverlangen und dem Zeitpunkt der Wirksamkeit der Entgelterhöhung mindestens vier Wochen liegen müssen, haben Sie als Verbraucher vier Wochen Zeit, um gegebenenfalls nach Einsicht in die Kalkulationsunterlagen zu entscheiden, ob Sie den Vertrag mit dem geänderten (in der Regel erhöhten) Entgelt fortsetzen wollen oder ihn kündigen möchten.

Neu geregelt im WBVG sind die Fälle, in denen mehrere getrennte Verträge mit demselben Unternehmer oder mit mehreren Unternehmern abgeschlossen wurden. Da der Anwendungsbereich des Gesetzes gerade auch diese Vertragskonstellationen umfasst, werden sie auch bei den Kündigungsmöglichkeiten berücksichtigt.

Haben Sie also zwei oder mehrere getrennte Verträge über die Überlassung von Wohnraum und die Erbringung von Pflege oder Betreuung abgeschlossen, deren Bestand voneinander abhängig ist, so können Sie alle Verträge nur gleichzeitig und zum gleichen Zeitpunkt kündigen. Diese Regelung ist zwingend. Haben Sie zwei oder mehrere Verträge mit zwei oder mehreren Unternehmern abgeschlossen, so müssen Sie die Kündigung gegenüber jedem Unternehmer erklären, da Sie ja auch mehrere Vertragspartner haben.

Beispiel

Herr Schwendtner schließt einen Vertrag über die Überlassung eines Zimmers in einer Wohngemeinschaft (WG) mit einem Verein, der als Generalmieter den Wohnraum an die WG-Mitglieder weiter vermietet. Der Verein arbeitet mit dem Pflegedienst “Die Pflegeschwestern“ zusammen. Alle Mitglieder der Wohngemeinschaft sind vertraglich verpflichtet, Pflege- und Betreuungsleistungen von diesem Pflegedienst in Anspruch zu nehmen. Da nach den vertraglichen Regelungen der Wohnraumvertrag zwingend an den Pflege- oder Betreuungsvertrag gebunden ist, findet das WBVG Anwendung.

Nach ein paar Monaten gefällt es Herrn Schwendtner nicht mehr in der WG. Er kündigt fristgerecht Anfang August zu Ende August den Vertrag über den Wohnraum gegenüber dem Verein und gleichzeitig den Vertrag über Pflege und Betreuung gegenüber dem Pflegedienst zum selben Zeitpunkt.

Würden im vorstehenden Beispiel die Pflegeleistungen vom ambulanten Dienst „Die Pflegeschwestern“ erbracht und die Betreuungsleistungen verpflichtend von einem anderen Dienst, so könnte Herr Schwendtner nur alle drei Verträge gleichzeitig kündigen.

Gleiches gilt für die Kündigung bei Entgelterhöhung. Entscheidet sich der Verbraucher, den Vertrag, bei dem das Entgelt erhöht wurde, zu kündigen, weil er das erhöhte Entgelt nicht zahlen möchte oder kann, so müssen auch alle anderen Verträge mit allen Unternehmern zum gleichen Zeitpunkt gekündigt werden. Bestehen also Verträge mit mehreren Unternehmern, so muss gegenüber allen Unternehmern gesondert die Kündigungserklärung ausgesprochen werden.

 

Kündigung zwei Wochen nach Vertragsbeginn

Wenn Sie in eine Einrichtung eingezogen sind, haben Sie innerhalb der ersten zwei Wochen nach Beginn des Vertragsverhältnisses die Möglichkeit, den Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu kündigen. Der Gesetzgeber möchte mit dieser Regelung unter anderem ein Probewohnen ermöglichen.

Ein entsprechendes Recht haben Sie, wenn Sie den Vertrag erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgehändigt bekommen. Auch dann können Sie innerhalb von zwei Wochen nach Aushändigung des Vertrages ohne Frist und ohne Angabe von Gründen kündigen.

Das Vertragsverhältnis beginnt in der Regel mit dem Einzug oder mit dem Zeitpunkt, an dem erstmals Pflege- oder Betreuungsleistungen erbracht werden.

Haben Sie zwei oder mehrere getrennte Verträge mit einem oder mehreren Unternehmern geschlossen, können Sieentscheiden, ob Sie nur ein Vertragsverhältnis oder auch alle anderen beenden wollen. Kündigen Sie beide oder mehrere Verträge, so muss dies für denselben Zeitpunkt geschehen.

Beispiel

Im zuvor genannten Beispiel wird der Vertrag über den Wohnraum am 1. März geschlossen; eine Vertragsausfertigung liegt Herrn Schwendtner zu diesem Zeitpunkt auch vor. Ab Einzug in die WG am 1. März erhält Herr Schwendtner zwar die vertraglich vereinbarten Pflege- und Betreuungsleistungen, aber eine Ausfertigung des Pflege- und Betreuungsvertrages liegt ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Diese wird ihm erst am 10. März überreicht. Herr Schwendtner hat in diesem Fall die Möglichkeit, den Pflege-und Betreuungsvertrag binnen zwei Wochen bis zum 24. März zu kündigen. Zu diesem Zeitpunktkann er dann auch den Vertrag über den Wohnraum gegenüber dem Verein kündigen, muss dies jedoch nicht tun.

Das vorstehende Beispiel zeigt, dass sich durch derartige Fallkonstellationen Kündigungsfristen über die im Gesetz genannte Frist hinaus verlängern können. Wenn die beiden Unternehmer – wie es das WBVG vermutet – verbunden sind, so werden sie dadurch nicht unzumutbar benachteiligt.

 

Kündigung aus wichtigem Grund

Eine fristlose Kündigung ist kann ausgesprochen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt und Ihnen eine Fortsetzung des Vertrages bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist nicht zuzumuten ist. Ein wichtiger Grund ist beispielsweise im Falle schwerer Pflegefehler oder Beleidigungen durch das Personal anzunehmen. Ob ein wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes vorliegt, ist stets eine Einzelfallentscheidung. Die fristlose Kündigung kann jederzeit ausgesprochen werden. Sie ist – anders als die ordentliche Kündigung – stets zu begründen.

Wie oben unter C.13.2.1 ausgeführt, können Sie bei einer ordentlichen Kündigung und bei einer Kündigung wegen Entgelterhöhung in den Fällen, in denen mehrere Verträge abgeschlossen wurden, nur alle Verträge gemeinsam kündigen. Sie haben also keine Möglichkeit, nur einen Vertrag zu kündigen und an den anderen Verträgen festzuhalten.

Anders ist die Rechtslage bei der Kündigung aus wichtigem Grund. Hier haben Sie – wie bei der Kündigung innerhalb von zwei Wochen nach Vertragsbeginn oder bei Vertragsbeendigung – die Möglichkeit, wenn mehrere getrennte Verträge mit einem oder mehreren Unternehmern geschlossen wurden, zu entscheiden, ob Sie nur ein Vertragsverhältnis oder auch alle anderen beenden wollen. Kündigen Sie mehrere Verträge, so muss dies zu demselben Zeitpunkt geschehen.

Wenn also beispielsweise der Unternehmer den Pflege- oder Betreuungsvertrag kündigt, können Sie den Vertrag über den Wohnraum kündigen. Voraussetzung ist die unverzügliche schriftliche Kündigungserklärung gegenüber dem Unternehmer nach dessen Kündigung, § 11 Absatz 5 WBVG.

 

Kündigung durch den Verbraucher – kurz gefasst

Der Verbraucher kann kündigen:

  • ordentlich bis zum dritten Werktag eines Monats schriftlich zum Ende des Monats,
  • bei einer Entgelterhöhung jederzeit zum Zeitpunkt des Erhöhungsverlangens,
  • im Falle mehrerer Verträge in den zwei vorstehenden Fällen nur alle zusammen zum selben Zeitpunkt, § 11 Absatz 1 WBVG,
  • jederzeit innerhalb von zwei Wochen nach Vertragsbeginn oder nach Vertragsaushändigung,
  • jederzeit aus wichtigem Grund, wenn die Fortsetzung des Vertrages bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist nicht zuzumuten ist,
  • im Falle mehrerer Verträge in den zwei vorstehenden Fällen entweder einen Vertrag oder alle (dann aber zum gleichen Zeitpunkt), § 11 Absatz 2 – 4 WBVG,
  • wenn bei mehreren Verträgen der Unternehmer einen Vertrag kündigt, unverzüglich die anderen Verträge, § 11 Absatz 5 WBVG,
  • wenn mehrere Verträge mit unterschiedlichen Unternehmern geschlossen wurden, jedem Unternehmer gegenüber, § 11 Absatz 1 und 4 WBVG.