Freitag, 20. Dezember 2019

Generalistische Pflegeausbildung ab 2020: Das ändert sich

Tafel mit Beschriftung: "Generalistische Pflegeausbildung"

Zum 01.01.2020 wird die Ausbildung von Pflegefachkräften in Deutschland reformiert. In Zukunft werden die Berufe der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege in einem einzigen Berufsbild der ‚Pflegefachkraft‘ zusammengefasst. Diese neue generalistische Ausbildung soll zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsbereichen befähigen.

Ziel der Reform ist es, die Ausbildung und damit den Pflegeberuf attraktiver und zukunftsfähiger zu machen, damit der immer weiter steigende Bedarf an Pflegekräften gedeckt werden kann. Alle Beteiligten hoffen, dass die Zahl der Auszubildenden in der Pflege durch das neue und bessere System steigen wird. 2026 wird der Bundestag dann auswerten, ob sich die generalistische Pflegeausbildung bewährt hat.

Wie sieht die neue Ausbildung zur Pflegefachkraft aus?

Die Ausbildung wird auch in Zukunft drei Jahre dauern und aus einer Kombination von Unterricht an Pflegeschulen und praktischen Einsätzen bestehen. In den ersten zwei Jahren werden die Grundlagen erlernt, für das dritte Jahr können die Auszubildenden wählen, ob sie einen generalistischen Abschluss oder aber die Spezialisierung „Altenpflege “ oder „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ anstreben wollen. Der neue Abschluss mit der Berufsbezeichnung Pflegefachkraft ist in der gesamten Europäischen Union anerkannt. Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wird es ein berufsqualifizierendes Pflegestudium mit Bachelor-Abschluss geben. Damit  sollen weitere Karrieremöglichkeiten eröffnet und neue pflegewissenschaftliche Erkenntnisse besser in die Praxis integriert werden.

Wie wird die neue Ausbildung finanziert?

Um bundesweit eine wohnortnahe und qualitätsgesicherte Ausbildung zu ermöglichen, ist eine einheitliche Finanzierung der beruflichen Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz vorgesehen. Dazu werden in allen Bundesländern Ausgleichsfonds eingerichtet, in die alle Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen sowie das jeweilige Land und die Pflegeversicherung einzahlen. Durch ein Umlageverfahren wird ein Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Einrichtungen geschaffen, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Zudem wird es keine Begrenzung der Ausbildungszahlen geben, um die Fachkräftebasis in der Pflege zu sichern. Das nützt ausbildenden Einrichtungen in der ambulanten und in der stationären Langzeitpflege gleichermaßen. Neu ist, dass der Bund die Finanzierung einer Fachkommission, zusätzlicher unterstützender Angebote und der Forschung über das Bundesinstitut für berufliche Bildung übernimmt. Zudem wird die neue Pflegeausbildung für alle Auszubildenden kostenfrei sein und sie haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung.

Steigen die Kosten für die Pflegebedürftigen?

Auch bisher waren die Pflegebedürftigen an den Ausbildungskosten in der Pflege beteiligt, und zwar über die Pflegevergütungen der Einrichtungen. Mit dem Beginn der neuen generalistischen Ausbildung 2020 werden für eine Übergangsphase von fünf Jahren zwei verschiedene Ausbildungssysteme in der Pflege nebeneinander existieren und damit auch zwei Finanzierungsmodelle. Ab 2025 wird es dann nur noch die generalistische Pflegeausbildung geben.

Konkret heißt das für die Nutzer von ambulanter und stationärer Pflege, dass ihr Beitrag zur bisherigen Finanzierung kontinuierlich sinken und der zur neuen Ausbildung steigen wird. Allerdings müssen die Pflegebedürftigen insgesamt mit nicht unerheblich finanziellen Belastungen rechnen. Erste Erfahrungen aus dem BIVA-Beratungsdienst zeigen, dass eine Erhöhung von rund 1 Euro pro Tag realistisch ist.