Freitag, 24. Juni 2016

Freizeitgestaltung für Senioren

Viele ältere Menschen leiden unter Langeweile und Einsamkeit. Wer seinen langjährigen Partner, Weggefährten oder Freunde verloren hat, verliert oftmals den Lebensmut und zieht sich zurück. Das wirksamste Mittel gegen Langeweile und Isolation ist es, aktiv seine Freizeit zu gestalten, sich eine Aufgabe zu suchen, den Kontakt zu Gleichgesinnten aufzunehmen und die eigenen Interessen zu erkennen und zu fördern.

Angebote werden zunehmend mehr

An Angeboten und Möglichkeiten hierzu mangelt es nicht. Freizeitgestaltung für Senioren wird zu einem immer bedeutenderen Thema. Dieser wichtige Lebensaspekt wurde nicht zuletzt von der Werbung auch für die letzte Lebensphase aufgenommen. Für den „aktiven Alten“ gibt es ein immer breiteres Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten. Großen Zuwachs verzeichnen vor allem sportliche Aktivitäten, Unternehmungen mit Gleichgesinnten und Angebote, um – etwa durch eine neue Sprache, ein Seniorenstudium oder einen Computerkurs – geistig agil und fit zu bleiben.

Freizeit im Pflegeheim

Erfreulicherweise hat sich nicht nur für den werbewirksamen „aktiven Alten“ die Breite an Angeboten erhöht. Auch für Menschen, die durch Pflegebedürftigkeit beeinträchtigt sind, gibt es mehr und vor allem passgenaue Angebote zur Freizeitgestaltung. In den vergangenen zehn Jahren haben Senioreneinrichtungen einen enormen Wandel erlebt. Heutzutage sprechen sie ihre Bewohner ganzheitlich an, bieten ihnen Sportkurse, Kulturabende, Ausflüge und Vortragsreihen. Großen Erfolg haben auch Videospiele. Der große Vorteil von Konsolen wie der Wii von Nintendo liegt darin, dass sich fast jeder daran beteiligen kann. So können körperlich Beeinträchtige leichter an einem virtuellen Bowlingspiel teilnehmen als tatsächlich die schwere Kugel zu bewegen.

Vielfältige Freizeitangebote in Einrichtungen haben noch einen Nebeneffekt. Häufig sind diese Aktivitäten auch für Menschen, die nicht in der Einrichtung leben, offen, so dass sich zusätzlich Kontakte ergeben und „Leben im Haus“ ist. Auch Angebote, die für eine andere Zielgruppe gedacht sind, können dazu genutzt werden, wenn z. B. im hauseigenen Schwimmbad Aqua-Gymnastik für Schwangere angeboten wird.

Problem: Zeit- und Personalmangel

Allerdings funktioniert es nicht in jeder Einrichtung, ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten zu bieten. Wo es etwa in höherpreisigen Residenzen die Qual der Wahl und „Freizeitstress“ gibt, kann die Zeit dafür in manchen Einrichtungen auf der Strecke bleiben. Durch Personalmangel,  Zeitdruck und höhere Arbeitsdichte bleibt immer weniger Zeit für Freizeitangebote durch die Fachkräfte der Einrichtung. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und mit den sogenannten zusätzlichen Betreuungskräften („87b-Kräfte“ nach der Verankerung in § 87b Abs. 3 SGB XI) eine eigene Mitarbeitergruppe geschaffen für Aktivitäten, Freizeit und Alltag. Diese Kräfte sind ausdrücklich zusätzlich zum sonstigen Personal eingestellt und werden von der Pflegekasse bezahlt. Leider melden sich bei uns immer wieder 87b-Kräfte, auch aufgrund einer Umfrage in diesem Bereich, die regelmäßig für pflegerische oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt werden. Zumindest können wir die erhoffte ausreichende Entlastung angesichts Personalmangels bisher nicht erkennen.

Die Lücke schließen häufig ehrenamtlich Engagierte oder lokale Vereine, die Kurse in der Einrichtung anbieten. Die Einrichtung wird dadurch entlastet und die Zufriedenheit der Bewohner steigt. Dennoch werden solche Angebote nicht immer gut aufgenommen, wenn sich herausstellt, dass auch Koordination und Fragen der Externen Zeit kosten. Wir können die Einrichtungen nur ermutigen, solche Angebote zu unterstützen. Ausreichende Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, sind eines der Qualitätskriterien und fördert die Selbstbestimmtheit.