Freitag, 14. August 2020

Dehydrierung und Exsikkose bei Hitze – Corona verstärkt die Gefahr

Eine sommerliche Hitzewelle erfordert im Pflegeheim besondere Maßnahmen. Die Einrichtungen sind grundsätzlich durch Hitze-Warnsysteme, Handlungsempfehlungen und pflegerisch-medizinische Ratgeber darauf vorbereitet. (s. ausführlich hierzu den Artikel „Hitze im Pflegeheim“) Unter Umständen greifen die Maßnahmen aber nicht ausreichend, so dass unsere Beratung immer wieder Probleme mit Hitze im Pflegeheim erreichen – gerade in der aktuellen Hitzewelle während der Corona-Pandemie.

Was tun gegen die Hitze?

Die Voraussetzung für einen effektiven Schutz vor Hitze ist ein Sonnenschutz von außen durch Rollladen oder Jalousien und regelmäßiges Lüften in der Nacht. Zusätzlich können Ventilatoren in den Bewohnerzimmern für einen erfrischenden Luftzug sorgen. Die Bewohner sollten bei Hitze leichte, luftdurchlässige Kleidung tragen, eine dünne Bettdecke verwenden und körperliche Anstrengung vermeiden. Kühlende Waschungen, Fußbäder oder kalte Kompressen bringen zusätzliche Erfrischung.

Das Wichtigste: Die Flüssigkeitsaufnahme

Die wichtigste Maßnahme bei Hitze ist das ausreichende Trinken von mineralstoffreichem Wasser. Leider ist genau das im Alter oft ein Problem, denn das Durstempfinden nimmt mit dem Alter ab. Deshalb benötigen gerade ältere Menschen im Pflegeheim Unterstützung durch das Pflegepersonal, etwa durch regelmäßiges Erinnern an das Trinken bzw. Anreichen von Getränken oder das Erstellen eines individuellen Trinkplans, auf dessen strikte Einhaltung dann auch geachtet werden muss. Ist die selbstständige Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr möglich, müssen ggf. Infusionen verabreicht werden – subkutan durch das Pflegepersonal oder auch intravenös durch den Arzt.

Wer unterstützt beim Trinken?
Während einer Hitzewelle, in der alle Bewohner einen höheren Flüssigkeitsbedarf haben, gibt es dabei aber immer wieder Probleme. Die Unterstützung beim ausreichenden Trinken wird dann sehr zeitaufwändig, sodass Angehörige und Besucher oftmals diese Aufgabe über viele Stunden fast vollständig übernehmen. Das ist aktuell aufgrund der vielerorts immer noch eingeschränkten Besuchszeiten durch die Corona-Pandemie nur in geringem Umfang möglich. Gleichzeitig gibt es oft auch weniger Personal, weil Mitarbeiter durch Krankheit, Quarantäne oder Urlaub ausfallen.

Dennoch ist klar, dass das Pflegepersonal letztlich die Verantwortung für eine bedarfsgerechte Versorgung trägt. Dass dies allerdings nicht immer so gesehen wird, zeigt ein Extremfall, der uns vor wenigen Tagen erreichte: Eine Bewohnerin musste wiederholt ins Krankenhaus wegen Dehydrierung. Von der Angehörigen darauf angesprochen, behauptete die Einrichtung, das sei „normal“ im Sommer. Das Anreichen von Getränken sei zeitaufwendig und schließlich seien noch andere Bewohner da. Am haarsträubendsten war aber folgende Ausflucht: Flüssigkeitsaufnahme sei eine lebensverlängernde Maßnahme, die doch laut Patientenverfügung der Dame nicht gewünscht sei.

Was tun, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden?

Trifft die Einrichtung keine funktionierenden Maßnahmen in der aktuellen Hitzeperiode, sollte man das Thema direkt beim Personal, der Leitung oder über den Beirat ansprechen. Denn Fakt ist: die Einrichtung muss ihrer Fürsorgepflicht nachkommen. Wenn die personellen Kapazitäten nicht ausreichen, müssen ggf. kreative Lösungen gefunden werden, um notwendige Besuche zu ermöglichen.

Auch im angesprochenen Extremfall konnte schließlich Abhilfe geschaffen werden: Die Berater vom BIVA-Pflegeschutzbund wandten sich an die Einrichtung und verwiesen auf deren Fürsorgepflicht. Man hat von Seiten der Einrichtung zurückgerudert und ausreichende Flüssigkeitsversorgung als eigene Aufgabe gesehen, die natürlich nichts mit einer lebensverlängernden Maßnahme im juristischen Sinne zu tun habe.