Freitag, 03. April 2020

Corona-Krise und der ‚real existierende Pflegealltag‘ in stationären Einrichtungen der Altenhilfe

Gastkommentar von BIVA-Mitglied Claus Völker

In Zeiten der Corona-Krise rücken Pflegeheime und ihre hochbetagten Bewohner in den öffentlichen Focus. Wie kann man diese Hochrisikogruppe schützen und gleichzeitig angemessen versorgen? Und was muss sich grundsätzlich an unserem Pflegesystem ändern, das auch schon vor der Corona-Pandemie nicht gesund war? Dazu die Meinung von unserem Mitglied Claus Völker, der viele Jahre bei einer Bezirksregierung mit dem Thema Heimrecht beschäftigt war und auch privat regelmäßig Angehörige im Pflegeheim betreut.

Hier ein Auszug aus seinem Beitrag vom 29. März 2020 auf www.nachdenkseiten.de:

„Jetzt ist also die Krise da. Und dann ist sie auch noch viel schneller gekommen als erwartet. Wir stellen uns aufgrund der Corona-Krise auf einen Pflegenotstand ein, der seit Jahren gebetsmühlenartig prognostiziert wird. Bereits in den 80er Jahren haben Zeitungen ihre Beiträge mit ‚Pflege. Es ist 5 vor 12′ überschrieben. Seitdem berichten die Medien mit verlässlicher Regelmäßigkeit über den zu erwartenden Pflegenotstand und führen hellseherische Prognosen mit Zahlen zu Entwicklungen bis 2035 an. Darüber gab und gibt es viel Wehklagen in Politik und Gesellschaft. Aber getan hat sich außer Flickschusterei nicht allzu viel. Im Gegenteil: wie in anderen Bereichen des Gesundheitssektors auch, bei Krankenhäusern vor allem, werden Heime weiterhin geradezu kaputtgespart. Seitdem immer mehr forsche Betriebswirte das Sagen haben, leiden Bewohner wie Personal unter dem Druck der ’schwarzen Zahlen‘ und Renditevorstellungen von Einrichtungsträgern.“

Seinen Beitrag schließt Claus Völker mit folgender Anmerkung:„Es ist nicht nur die Politik, die sich bewegen muss. Es sind auch die Verbände, denen die privaten und gemeinnützigen Einrichtungsträger angeschlossen sind. Es ist die Pflegeselbstverwaltung, die wohl für mehr verantwortlich ist, als man sich gemeinhin vorstellen kann. Und nicht zuletzt die Gesellschaft – jeder Einzelne von uns, der sich nicht nur dann für die hilfs- und/oder pflegebedürftigen Menschen in unserer Mitte oder am Rande interessieren darf, wenn ihn selbst gesundheitliche und sonstige Bedrohungen treffen könnten. Schuld sind ja erfahrungsgemäß immer die anderen. Sterben tun glücklicherweise auch immer die anderen. Man kann es ja täglich in den Todesanzeigen nachlesen.“