Mittwoch, 30. September 2020

Corona-bedingte Rückschritte bei Altersbildern vermeiden

Zum internationalen Tag der älteren Menschen

Bonn. Nach jahrelanger Aufklärungsarbeit hat sich endlich ein differenziertes Altersbild etabliert. Ältere Menschen werden nicht länger ausschließlich darüber definiert, was sie nicht mehr können. Anlässlich des „Internationalen Tags der älteren Generation“ am 1. Oktober warnt der Vorsitzende des BIVA-Pflegeschutzbundes, Dr. Manfred Stegger, mit Blick auf die Corona-Krise allerdings vor einem gefährlichen Rückschritt in veraltete Stereotype des Alterns. Als Hauptrisikogruppe für eine Corona-Erkrankung würden alte Menschen vor allem als ‚die Schwächsten der Gesellschaft‘ und als ‚Risikogruppe‘ wahrgenommen.

„Auch wenn es gesichert ist, dass ältere Menschen mit Begleiterkrankungen ein höheres Erkrankungsrisiko tragen, hängt der Verlauf wesentlich mit dem allgemeinen Gesundheitszustand und relevanten Vorerkrankungen zusammen. Dies gilt für ältere und jüngere Menschen gleichermaßen“, so Stegger

Es sei zwar selbstverständlich, dass ältere und chronisch kranke Menschen besonders geschützt werden müssten. „Menschen allein aufgrund ihres Alters als Risikogruppe zu definieren, erfüllt allerdings den Tatbestand der Altersdiskriminierung“, sagt der BIVA-Vorsitzende. Wenn Alter nur noch als Risiko gelte, werde jedes differenzierte Altersbild vernichtet. Die mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland, die älter als 65 Jahre sind, seien mehr als die vom Tode Bedrohten, die es zu isolieren gelte.

„Es ist diese paternalistische Haltung den Älteren gegenüber, die so unerträglich und unwürdig daran ist“, so Stegger. „Man schreibt den Alten vor, was sie zu tun und zu lassen haben, ohne sie mit einzubeziehen.“ Dabei seien gerade die ältere Menschen diejenigen in unserer Gesellschaft, die in Corona-Zeiten überwiegend vernünftig und verantwortungsbewusst handelten. 

Leider habe sich eine negative Denkweise über die Zeit der Pandemie etabliert: Man muss Schwache und Alte isolieren, damit die übrige Gesellschaft möglichst normal leben kann. In Schweden wurde diese Sicht auf grausame Weise radikal umgesetzt und die Bewohner in Pflegeheimen über ein halbes Jahr lang strikt isoliert, während der Rest der Bevölkerung ungehindert sein Leben weiterführt. Doch auch in Deutschland gilt der Vorwurf, dass über die Köpfe der Bewohnerinnen und Bewohner hinweg, über deren Besuchsmöglichkeiten entschieden wurde.

Stegger fürchtet, dass künftige Corona-bedingte Einschränkungen weiterhin vor allem die Älteren treffen werden. „Was wir stattdessen brauchen ist die Solidarität der Generationen und das Ernstnehmen der Schutzbedürftigen als Partner auf Augenhöhe.“