Freitag, 28. Juni 2013

BIVA e.V. fordert Stärkung der externen und internen Pflegeheimkontrollen

Die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung e.V. (BIVA) begrüßt notwendige Kontrollen in Pflegeheimen zur Aufdeckung von Misshandlungen. 

Doch hält die BIVA den geplanten Einsatz der Antifolterstelle in diesem Zusammenhang für den gänzlich falschen Weg. Die BIVA fordert stattdessen eine ausreichende personelle Ausstattung der Pflegeeinrichtungen, um Überforderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Regel Auslöser für Misshandlungen sind, entgegenzuwirken. Außerdem plädiert sie für eine personelle Stärkung der bestehenden Kontrollorgane.

Die Justizminister der Länder wollen die ehrenamtliche Kommission auf acht Mitglieder verdoppeln. Sie sollen stichprobenartig Kontrollen in den 12000 Pflegeheimen durchführen. Katrin Markus, Geschäftsführerin der BIVA, kritisiert diese Maßnahme in dreifacher Hinsicht. Die Antifolterstelle leiste zwar eine wichtige Kontrollfunktion in Justizvollzugsanstalten und Polizeistationen. Für die Kontrolle von Pflegeeinrichtungen gebe es jedoch weitaus qualifiziertere Institutionen, die leider alle personell unterbesetzt seien. Außerdem könne man mit der geringen Aufstockung der Kommission keine wirklich effiziente Kontrolle ausüben. Diese Maßnahme diene offenbar nur als Feigenblatt.

Auch führe die drastische Bezeichnung ‚Folter’ im Zusammenhang mit Misshandlungen in Pflegeheimen in die Irre. Sie suggeriert, dass hier zielgerichtet Gewalt angewendet wird. Dies verängstigt Bewohnerschaft und Angehörige und verunsichert das Personal, das in der ganz großen Mehrzahl qualifizierte Arbeit leistet. Um Gewaltanwendungen und Misshandlungen an Pflegebedürftigen aufzudecken, müssen die bestehenden Kontrollorgane, wie der Medizinischen Dienst der Krankenkassen und die Heimaufsicht, gestärkt werden, fordert Markus.

Doch können alle Kontrollstellen immer nur einen Blick von außen auf die Heime werfen und eine Momentaufnahme feststellen. Sie werden Misshandlungen, die im täglichen Heimbetrieb auf unterschiedliche Weise geschehen können, nur schwer erkennen können. „Wir brauchen mehr Kontrolle von innen“, sagt Markus. „Dafür muss der Einsatz Ehrenamtlicher gefördert werden, die allein durch ihre Präsenz und ihre wachsamen Augen, aber auch durch die Entlastung der Hauptamtlichen dem Auftreten von Gewalt und Misshandlung entgegenwirken können.

Auch muss der Blick der Bewohnerbeiräte für die Auslöser von Misshandlungen geschult werden. Aber auch die Pflegerinnen und Pfleger selbst brauchen Unterstützung, wenn sie Misshandlungen aufdecken möchten. Solange sie befürchten müssen, ihren Job zu verlieren, werden viele schweigen“, fasst Markus zusammen.

Die BIVA wird in der nächsten Zeit ihren Arbeitsschwerpunkt auf dieses Gebiet lenken und sich in den kommenden Monaten vor allem mit der Prävention von Gewalt in Pflegeheimen befassen.

Die BIVA ist ein unabhängiger Selbsthilfeverband, der sich seit 1974 für die Stärkung der Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner aller Heimarten und Wohnformen einsetzt. Sie ist bis heute die einzige bundesweite Interessenvertretung für Menschen, die Wohn- und Betreuungsangebote im Alter und bei Behinderung in Anspruch nehmen.