Dienstag, 02. Oktober 2018

Maßnahmen zur Qualitätsförderung

Palliativversorgung im Heim

Ein Strauß weißer Chrysanthmen, im Hintergrund ein brennendes Teelicht.Nahezu alle Landesheimgesetze räumen den Bewohnervertretungen das Recht ein, bei Maßnahmen zur Förderung der Betreuungsqualität mitzuwirken. Dazu gehört auch die Betreuung während der Sterbephase. Leider ist dies häufig ein Thema, dem man gerne aus dem Weg geht, führt es doch die eigene Vergänglichkeit vor Augen. Dies trifft insbesondere zu, wenn man als Mitglied der Bewohnervertretung selbst bereits fortgeschrittenen Alters oder von Krankheit betroffen ist.
Können diese Vorbehalte jedoch überwunden werden, so eröffnet sich der Bewohnervertretung dadurch die Möglichkeit, das eigene Ableben zumindest hinsichtlich der äußeren Umstände mitzugestalten.

Doch wie nähert man sich diesem Thema?

Zunächst einmal sollten Sie überprüfen, wie Sie selbst das Sterben von Mitbewohnern empfinden und wie man in der Einrichtung mit Sterbeprozessen umgeht. Haben Angehörige, aber auch befreundete Mitbewohner die Möglichkeit, sich zu verabschieden? Werden letzte Wünsche, z.B. nach einem besonderen Essen, ermöglicht? Gibt es (evtl. ehrenamtliche) Unterstützer, die bei den Sterbenden bleiben, wenn keine Angehörigen zugegen sind? Wird überhaupt ein Sterben im Heim ermöglicht oder werden die Betroffenen möglichst schnell in ein Krankenhaus verbracht? Gibt es später ein Gedenken an die verstorbene Person, ein Kondolenzbuch, einen Abschied in der Wohngruppe? Fragen Sie Ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, was sie unter einem würdevollen Sterben und Abschiednehmen verstehen und formulieren Sie dies als eine wünschenswerte Maßnahme an die Einrichtungsleitung. Vielleicht haben Sie ja auch Wünsche und Bedürfnisse, die den zuständigen Mitarbeitern gar nicht bewusst sind.

Als nächsten Schritt bietet es sich an zu hinterfragen, ob es in der Einrichtung ein Palliativkonzept gibt und wie dies umgesetzt wird. Gibt es Fachkräfte, die eine entsprechende Weiterbildung haben oder arbeitet man mit einem Hospiz- und Palliativverein vor Ort zusammen? Gibt es einen „Heimarzt“, der entsprechende Maßnahmen anordnet und überwacht? Lassen Sie sich das Konzept, sofern vorhanden, erläutern und geben Sie Anregungen. Liegt (noch) kein Konzept vor, fordern Sie, dass eins erarbeitet wird und Sie sich dabei einbringen dürfen.

Viele Landesheimgesetze geben den Einrichtungen auch z.B. auf, dass diese „zur Gewährleistung einer angemessenen Palliativversorgung die Inanspruchnahme der Leistungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung durch eine Kooperation mit den entsprechenden Angeboten zu ermöglichen haben“. Oder es ist geregelt, dass „ein Heim nur betrieben werden darf, wenn in ihm Leistungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung nach § 37b Abs. 2 SGB V durch das Personal des Heims erbracht werden können oder wenn der Betreiber zur Gewährleistung der Inanspruchnahme dieser Leistungen mit den Vertragspartnern der Krankenkassen nach § 132d Abs. 1 SGB V eng zusammenarbeiten“. Daran ist ersichtlich, dass die Gesetzgeber eine palliative Versorgung der Bewohner fordern. An der Qualität dieser Leistungen sollten die Bewohnervertretungen als Sprachrohr der Bewohner und damit potenzielle Leistungsempfänger aktiv im Rahmen ihrer Mitwirkungsrechte mitarbeiten.  

 

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