Freitag, 03. April 2020

Beiratsarbeit in Zeiten von Corona: Teil 1

Auch wenn Einrichtungen für Besucher geschlossen und das Alltagsleben sehr eingeschränkt ist, bedeutet das nicht, dass Stillstand herrscht. Auch die Beiratsarbeit sollte in diesem Fall weitergehen. Im Idealfall bindet die Einrichtung den Beirat in alle Entscheidungen, die die Bewohner betreffen, ein, alleine schon, um den Informationsfluss zu gewährleisten. Denn nichts verunsichert Bewohner und Angehörige mehr, als nicht zu wissen, warum einschneidende Maßnahmen angeordnet werden. Außerdem erinnert es Einrichtungsleitungen auch daran, die eigenen Kompetenzen immer wieder zu hinterfragen. Gerade zu Beginn der Krise – und teilweise bis heute – gab es zwar Erlasse der Länder, aber kaum Allgemeinverfügungen der Behörden. Die Einrichtungen mussten aber sofort schwierige und schwerwiegende Entscheidungen treffen – Unterstützung und ein wachsames Auge des Beirats kann dabei eine große Hilfe sein.

Leben die Beiratsmitglieder im Haus, steht einer Einbeziehung nichts entgegen. Hier reichen die allgemeinen Schutzmaßnahmen wie ein Sicherheitsabstand aus; ggf. müsste in einen größeren Raum ausgewichen werden. Wie aber sieht es mit externen Beiratsmitgliedern aus? Deren Recht auf freien Zugang zum Ausüben ihres Amtes nach dem jeweiligen Landesheimgesetz steht evtl. der Anordnung eines Besuchsverbots gegenüber. Ist das Beiratsmitglied jetzt „nur“ ein Besucher, während die Mitarbeiter der Einrichtung das Heim fortlaufend aufsuchen und verlassen? Oder ist das externe Mitglied eher den Mitarbeitern gleichzustellen? Eine Frage,  die bis dato nie gestellt werden musste. Sicherlich ist jedes Beiratsmitglied aber mit einer Sonderfunktion ausgestattet, die auch dazu dient, die Rechte der Bewohner zu wahren, und daher nicht nur ein Besucher. Diese Person des öffentlichen Lebens hat einen gesetzlichen Auftrag. Es müssen also Einzelfallentscheidungen unter Abwägung des allgemeinen Risikos und der widerstreitenden Interessen her. Dazu gehört auch ein Abschätzen, welches Risiko sich hinter der jeweiligen Person verbirgt und welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Sollte man zu dem Schluss kommen, dass das Risiko bei Besuch der Einrichtung zu hoch ist, müssen Alternativen gefunden werden. Wie kann Beiratsarbeit während einer Krise im Jahr 2020 aussehen? Technische Potentiale werden sicherlich noch nicht flächendeckend ausgenutzt. Nie war ein digitaler Kontakt aber wichtiger als heute. Können externe Beiratsmitglieder technisch zugeschaltet werden? Gibt es Nachrichten-Umlaufverfahren? Bespricht sich ein externes Beiratsmitglied außerhalb der Einrichtung mit einer Kontaktperson aus den Reihen der Mitarbeiter mit dem notwendigen Schutz und Abstand?Hier braucht es gerade jetzt Ideen und Strategien, auch wenn Einrichtungen derzeit viele weitere Probleme haben. Denn werden Bewohner, Angehörige und deren Ängste ernst genommen, ist die Beiratsarbeit in dieser Krisensituation durchaus ein Qualitätsmerkmal. Und da der Beirat bundesweit die wichtige Aufgabe hat, bei der Qualität der Betreuung mitzuwirken, darf man ihn jetzt nicht außen vor lassen.     

Hier geht’s zu Teil 2 der Mini-Serie: Beiratsarbeit in Zeiten von Corona: Teil 2