Dienstag, 05. Mai 2020

Beiratsarbeit in Zeiten von Corona: Teil 2

Nach sieben Wochen Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen in Pflegeheimen bis hin zur absoluten Sperre werden nun langsam Lockerungen verkündet. Auch und gerade in diesen Zeiten ist der Beirat als Bewohnervertretung gefragt, um bei der Gestaltung des Lebens in der Einrichtung mitzuwirken. Wie sieht es mit den Aufenthaltsbedingungen aus? Welche Freizeitangebote gibt es? Welche Qualität hat die Betreuung? Sicherlich werden viele Anregungen und Beschwerden in Zusammenhang mit den „Corona-Einschränkungen“ an Sie herangetragen und Sie bekommen viel mit. Eine Einrichtung tut jetzt gut daran, Sie in dieser Ausnahmesituation „mit ins Boot“ zu holen. Die Menschen leiden zunehmend unter den fehlenden Sozialkontakten und werden unruhig.

Das wichtigste für Ihre Arbeit ist zunächst, dass Sie die Erlasse und Verfügungen für Ihr Bundesland kennen, um rechtssicher auftreten zu können. Sie finden diese tagesaktuell auf unserer Website. Wir können Ihnen zudem eine E-Mail schicken, wenn sich in Ihrem Bundesland etwas ändert. Daraus können Sie ersehen, wie die Rechtslage hinsichtlich Besuchen, Ausnahmetatbeständen und Ausgangssituationen aussieht. Sollten Sie noch nicht umfassend informiert worden sein, fragen Sie bei der Einrichtungsleitung an, wie und mit welchen technischen und digitalen Möglichkeiten die Bewohnerinnen und Bewohner unterstützt werden, die kognitiv die Situation verstehen und mit den Angehörigen kommunizieren können. Was gibt es darüber hinaus für Möglichkeiten, um zumindest Sichtkontakt zu ermöglichen? Hat Ihre Cafeteria ein großes Fenster zum Garten, damit man winken kann, gibt es Balkone, die Sprechkontakt über sichere Entfernung ermöglichen, oder Besuchsräume mit Plexiglasabtrennung? Was passiert mit Menschen, die immobil sind und keine Medien bedienen können? Besteht die Möglichkeit Geschenke, Blumen, Lesestoff oder Wäsche abzugeben? Welche weiteren Ideen haben Sie? Mitglieder berichten uns von Gottesdiensten und Konzerten von ehrenamtlich engagierten Künstlern via Hausanlage, „Frischluft-Programmen“ mit Betreuungskräften, gemeinsamem Singen über die Balkone etc. Solange die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Und da Sie als Beiräte die Belange der Bewohnerinnen und Bewohner am besten kennen – zumal, wenn Sie selbst in der Einrichtung wohnen –, ist es jetzt auch Ihre Aufgabe, hier genau hinzuschauen.

In dieser neuen Situation können und sollten Sie sich einbringen. Das ergibt sich aus Ihren vom Gesetz übertragenen Mitwirkungsaufgaben. Dabei geht es auch um die Übersicht, ob Pflege und Betreuung qualitativ angemessen gewährleistet sind, aber vor allem um Ideen, die Situation für alle leichter zu machen. Und dazu kann es auch gehören, gemeinsam mit den Verantwortlichen sichere Besuchskonzepte zu entwickeln, damit die Bewohner nicht länger isoliert werden.

Hier geht’s zu Teil 1 der Miniserie: Beiratsarbeit in Zeiten von Corona: Teil 1