Montag, 30. September 2019

Beeinträchtigte Wahrnehmung: Beiräte können Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft verbessern

Die Aufgaben einer Bewohnervertretung im Pflegeheim sind in den jeweiligen Landesheimgesetzen und ihren Mit- bzw. Ausführungsverordnungen geregelt. Dazu gehören in vielen Fällen auch Angelegenheiten der sozialen Betreuung, die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und die Unfallverhütung.

Da in der Mehrzahl der Einrichtungen auch Menschen mit Beeinträchtigungen der Sinneswahrnehmungen oder der körperlichen Mobilität leben, haben die Bewohnervertretungen ein großes Betätigungsfeld. Denn häufiger als man denkt, werden Mitbewohnerinnen und
-bewohner vom gemeinschaftlichen Leben ausgeschlossen, weil sie nichts oder nur schwer hören und sehen oder sonstige Beeinträchtigungen vorliegen. Dabei gibt es sowohl ganz einfache als auch technische Hilfsmittel, den Menschen das Leben zu erleichtern und sie damit in die Gemeinschaft zu integrieren. Schwerhörigen z.B. kann man mit einer FM-Anlage (spezielle Tonübertragungsanlage) ermöglichen, in offenen Räumen tatsächlich etwas zu hören, sehbeeinträchtigte Menschen benötigen kontrastreiche Abgrenzungen und eventuell akustische Unterstützung. Obwohl gerade in Einrichtungen für pflegebedürftige Menschen viele Bewohnerinnen und Bewohner alters- oder gesundheitsbedingt in den Sinneswahrnehmungen eingeschränkt sind, fehlt es an der entsprechenden Ausstattung. Das beginnt bei Farbkonzepten und geht über fehlende Warnzeichen vor Treppen bis hin zu nur begrenztem Platzangebot in den Gemeinschaftsräumen, so dass immer wieder Bewohnerinnen und Bewohner ein Verlassen ihres Zimmers meiden.

Aber auch die angebotenen Betreuungsleistungen dürfen kritisch hinterfragt werden. Warum z.B. bietet man im Rahmen der zusätzlichen Betreuung häufig Zeitungsleserunden an, auch wenn viele Bewohner Probleme mit dem Sehen haben? Diese Personen bleiben dann außen vor. Ebenso hörbeeinträchtigte Menschen bei Leserunden etc.

Eine Aufgabe gerade von Beiratsmitgliedern, die in der Eirichtung wohnen, sollte es sein, diese Defizite, die nicht beeinträchtigten Menschen gar nicht auffallen, aufzuspüren, zu kommunizieren und sie dabei zu unterstützen, Abhilfe zu schaffen.