Pflegeschutzbund e. V.

Wer darf die Medikation im Pflegeheim bestimmen?

Von Problemen bei der Medikation von Pflegebedürftigen wird uns in Beratungsgesprächen immer wieder berichtet. In den meisten Fällen ist dafür einer der folgenden drei Gründe ausschlaggebend: Die Kommunikation zwischen Mediziner:in/Patient:in/Bevollmächtigter Person/Betreuer:in und Pflege stimmt nicht. Oder es herrscht Unsicherheit hinsichtlich der rechtlichen Kompetenzen. Drittens: man meint, über den Kopf des/der Betroffenen hinweg handeln zu können.

Grundsätzlich gilt, dass Ärzt:innen ihre Patient:innen hinsichtlich der von ihnen zu verordnenden Therapien und Medikationen aufklären (ggf. bevollmächtigte Personen oder Betreuende). Sie geben die vorzunehmenden Maßnahmen und Medikationspläne an die Einrichtungen weiter und die Patient:innen werden dort im Rahmen der Behandlungspflege entsprechend versorgt. Müssen z.B. Medikationen verändert werden, wird entsprechend verfahren. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass behandelnde Ärzt:innen Medikationen „auf Zuruf der Pflegekräfte“ verändern oder verschreiben, ohne die Betroffenen oder deren Vertretung zu informieren. Es kann auch passieren, dass abweichende Anweisungen von Betreuenden nicht durch die Pflegekräfte umgesetzt werden, weil „das nur der Arzt darf“. Hier scheint es viele Unsicherheiten zu geben.

Verschreibungspflichtige Medikamente können generell nur von  zugelassenen Mediziner:innen verordnet werden. Rechtliche Betreuende mit dem Wirkungskreis „Gesundheitssorge“ haben aber das Recht, im Sinne des/der Betreuten die Gabe nicht verschreibungspflichtiger Medikamente anzuordnen oder auch ärztlich verordnete Medikamente absetzen zu lassen. Dazu gehört es auch, den Arzt zu wechseln, wenn keine Vertrauensbasis mehr besteht. Die Einrichtung muss sich in diesem Fall vergewissern, ob die Änderung der Verordnung dem Wunsch des Pflegebedürftigen und dessen Wohl entspricht. Wenn die betroffene Person einwilligungsfähig ist, ist deren Zustimmung einzuholen. Sowohl Betreuenden als auch Einrichtungen ist zu empfehlen, derartige Veränderungen schriftlich zu fixieren und den Arzt bzw. die Ärztin zu informieren. Besteht die Befürchtung, dass es zu Neben- und Wechselwirkungen kommen kann, sollten Pflegebedürftige bzw. Angehörige oder Betreuende auch auf die Kompetenz der Apotheke vertrauen und dort um Rat fragen. Gerade die Vergabe stark beeinflussender Medikamente (z.B. zur Sedierung) sollte immer wieder hinsichtlich ihres Nutzens für Betroffene überprüft werden.

Letztlich entscheidend ist aber immer der (mutmaßliche) Wille des pflegebedürftigen Menschen. Niemand darf gezwungen werden, eine Therapie zu machen oder bestimmte Medikamente zu nehmen, weil grundsätzlich auch ein Recht auf selbstschädigendes Verhalten vom Grundgesetz garantiert wird. Will jemand z.B. trotz Krebserkrankung und Aufklärung keine Chemotherapie machen, darf er sich selbst dazu entscheiden. Aus demselben Grund darf man natürlich niemandem eine Therapie oder Medikamente verweigern, die potentiell helfen könnten. Diese Grundsätze beginnen beim freiverkäuflichen Nasenspray und enden bei der Umsetzung einer Patientenverfügung.

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