Pflegeschutzbund e. V.

Entfernen von Alkoholflaschen aus dem Bewohnerzimmer

Spind mit SchlüsselAlkohol im Pflegeheim kann durchaus  Anlass zur Debatte geben (siehe Artikel Recht auf Rausch). Was man aber bei der gesamten Diskussion nicht vergessen darf: Menschen, die in einer stationären Einrichtung leben, dürfen trotz ihres Hilfebedarfs und ihrer Abhängigkeit immer noch frei entscheiden, was sie tun. Sie sind Träger von Rechten. Sofern also der Konsum von Alkohol nicht mittels vertraglicher Vereinbarung ausgeschlossen worden ist, kann das Trinken nicht verboten werden, wenn keine Gefährdung Dritter davon ausgeht. Hinzu kommt, dass die Betroffenen in ihren eigenen Räumlichkeiten ein Hausrecht ausüben.

In einem unserer Beratungsfälle wohnte eine alkoholabhängige Dame in einem Pflegeheim. Mit der Pflegedienstleitung war vereinbart, dass sie jeden Tag zwei Piccolos mit Sekt erhält, um einen kalten Entzug vermeiden. Da die zuständigen Pflegekräfte die Alkoholvergabe immer wieder vergaßen, besorgte sich die Betroffene selbst einen Vorrat an Sektflaschen und bewahrte diese in ihrem Zimmer auf. Eine Pflegekraft war der Auffassung, das ginge nicht und entfernte die Flaschen. Sie nahm vermeintlich an, die Dame vor dem Alkoholkonsum und damit vor sich selbst schützen zu müssen. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass die Flaschen Eigentum der Bewohnerin sind. Dies darf ihr nicht ohne ihre Zustimmung weggenommen werden (streng genommen läge hier sogar unter Umständen ein Straftatbestand vor). Darüber hinaus hat die Bewohnerin in ihrem Zimmer ein Hausrecht und darf dort, sofern nicht die Rechte Dritter verletzt werden, tun, was sie möchte. Dieses Hausrecht wurde durch das ungefragte Betreten des Zimmers durch die Pflegekraft verletzt. Und letztendlich liegt hier eine Grundrechtsverletzung vor, indem der Bewohnerin untersagt wurde, selbsttätig in ihrem Zimmer zu trinken. Auch wenn die Pflegekraft es wahrscheinlich nur gut gemeint hatte, war ihre Handlung dennoch rechtswidrig.

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