Pflegeschutzbund e. V.

Aufforderung Antrag auf Höherstufung zu stellen – was tun?

Viele Angehörige kennen das: Die Pflegedienstleitung spricht einen an, man müsse über die Höherstufung des Bewohners bzw. der Bewohnerin nachdenken. Manchmal bekommen Angehörige gleich ein Schreiben in die Hand, das einen Antrag auf Begutachtung zur Höherstufung enthält. Dieser Antrag soll innerhalb einer bestimmten Frist unterzeichnet zurückgegeben werden. Viele Angehörige fühlen sich durch dieses Vorgehen überfahren, vor allem, wenn sie einen ganz anderen Eindruck von den betroffenen Pflegebedürftigen haben.
Wir raten an, zunächst Ruhe zu bewahren und ein Gespräch mit der Pflegedienstleitung zu suchen. Lassen Sie sich genau erklären, wie der Gesundheitszustand des Bewohners sich verändert haben soll und weshalb nun ein Mehr an Pflege erforderlich ist. Nach § 8 WBVG haben die betroffenen Bewohner:innen bzw. deren Bevollmächtigte einen Anspruch auf eine schriftliche Ausführung (Angebot). Sie stellt Folgendes dar:

  • wie sich (1) der Hilfebedarf geändert hat,
  • (2) die bisherigen Leistungen den neuen Leistungen nach Art, Inhalt und Umfang stehen vergleichbar gegenüber
  • und (3) wie sich die hierfür jeweils zu zahlenden Entgelte zusammensetzen.

 

Sollten Sie berechtigte Zweifel an dem Mehrbedarf haben oder Ihre Beobachtungen sich absolut nicht mit der Darstellung der Einrichtung decken, lassen Sie sich eine Einsichtnahme in die Pflegedokumentation gewähren. Sollte sich der Hilfebedarf tatsächlich verändert haben, müssten hier Anhaltspunkte zu ersehen sein. Genauso interessant kann es sein, ob die Dokumentationen in der Pflegeakte sich grundsätzlich mit Ihren Beobachtungen decken.

Sollten Sie erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung haben, dass der Bewohner Pflege einer höheren Pflegestufe bedarf, scheuen Sie sich nicht davor, eine entsprechende Stellungnahme an die Pflegekasse zu formulieren und mit dem Antrag auf Begutachtung dieser zuzuleiten. Verweigern können Sie die Beantragung dagegen grundsätzlich nicht. Die Einrichtung ist nämlich berechtigt, ab dem zweiten Monat einer ordnungsgemäßen Aufforderung ein der höheren Pflegestufe entsprechendes Entgelt abzurechnen, wenn sie dem Bewohner auch tatsächlich ein Mehr an Pflege entsprechend dieser Stufe angedeihen lässt.

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