Pflegeschutzbund e. V.

Adipositas (Fettleibigkeit) im Pflegeheim

Das Wichtigste in Kürze

  • Übergewicht und Adipositas haben in Deutschland das Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen.
  • Im Alter nimmt deren Häufigkeit noch zu.
  • Fachpflege bei Adipositas erfordert mehr und spezialisiertes Personal sowie besondere räumliche Ausstattung.
  • Daher ist die Zahl von Plätzen sehr begrenzt und die Suche entsprechend schwierig.

Übergewicht und Adipositas haben in der westlichen Welt das Ausmaß einer Volkskrankheit angenommen. In Deutschland sind rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig mit einem Body Mass Index (BMI) über oder gleich 25 sowie ein Viertel der Erwachsenen stark übergewichtig bzw. adipös mit einem BMI von über oder gleich 30. Zudem nimmt die Häufigkeit von Adipositas mit dem Alter zu. Auch deshalb ist das Thema Übergewicht mittlerweile in der Pflege und im Pflegeheim angekommen. Allerdings gibt es viel zu wenig Plätze für Adipositas-Betroffene, sodass die Suche schwierig ist.

Folge- und Begleiterkrankungen von Adipositas

Das Krankheitsbild Adipositas geht häufig mit Folgeerkrankungen einher und bringt besondere Herausforderungen in der Pflege mit sich. Der Fachausdruck für die Pflege von adipösen Patienten ist bariatrische Pflege.

Typische Folge- bzw. Begleiterkrankungen sind:

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck bis hin zu
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall
  • bei Bettlägerigkeit: Dekubitus, Lungenentzündung, Thrombose
  • Hauterkrankungen

Zu den körperlichen Begleiterkrankungen kommen häufig psychische Probleme wie

  • Einsamkeit durch soziale Isolation
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Ängste und Depression

Besonders stark können die psychischen Auswirkungen dann sein, wenn die Gewichtszunahme Folge der Pflegebedürftigkeit ist, die ausreichende Bewegung verhindert.

Pflegerische Herausforderungen

Die bariatrische Pflege ist anspruchsvoll. Zum einen werden besondere räumliche Voraussetzungen und Hilfsmittel wie Betten und Rollstühle benötigt, die es nur in spezialisierten Einrichtungen bzw. Abteilungen gibt. Zum anderen braucht es mehr und entsprechend ausgebildetes Personal, um die Pflege durchführen zu können. Beispielsweise werden für die Grundpflege oder das Umlagern mindestens zwei Pflegekräfte benötigt. Hinzu kommen die Behandlung der o.g. körperlichen und psychischen Folge- bzw. Begleiterkrankungen sowie eine besondere Ausrichtung auf Ernährungsberatung und -planung. In einer Zeit, wo Pflegeplätze generell Mangelware sind, erschweren die besonderen Erfordernisse der Pflege bei Adipositas die Suche zusätzlich.

Spezialisierte Einrichtungen: Klinik oder Pflegeheim

Aufgrund der steigenden Zahl von Adipositas-Betroffenen steigt auch der Bedarf an spezialisierten Einrichtungen. Sowohl in Spezialkliniken für die Behandlung von Adipositas als auch in Pflegeheimen ist es nicht einfach, einen freien Platz zu finden. Bei der Suche können der behandelnde Arzt, die Kranken- bzw. Pflegekasse und auch spezielle Beratungsstellen helfen. Auf der Internetseite des Adipositasverbandes Deutschland e.V. oder auch bei der Adipositas Hilfe Deutschland e.V. gibt es eine Liste von Selbsthilfegruppen.

Diese können auch zum Thema passendes Pflegeheim, Ausstattung der eigenen Wohnung und Beantragung eines Pflegegrades beraten. Zudem helfen auch Institute oder Praxen von Ernährungswissenschaftlern oder Diätassistenten weiter. Spezialkliniken sind meist an den Universitätskliniken angesiedelt.

Trotz der verschiedenen Anlaufstellen ist die Pflegeplatzsuche für Adipositas-Betroffene schwierig, weil es zu wenige gibt. Außerdem gibt es keine offizielle Liste von Adipositas Pflege- oder Therapieeinrichtungen bzw. freien Kapazitäten.

BIVA-Adressverzeichnis

Anbieter in Ihrer Nähe finden Sie im Adressverzeichnis der BIVA. Im Zweifel muss man alle systematisch kontaktieren und sich informieren, ob sie geeignet ist.

Kostenübernahme

Der Aufenthalt im Pflegeheim finanziert sich wie sonst auch über die Pflegeversicherung plus Eigenanteil bzw. Hilfe zur Pflege. Bei Aufnahme in einer Adipositas-Klinik müssen für die Kostenübernahme durch die Pflegekasse folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • mindestens Pflegegrad 2
  • Adipositas Grad 3
  • BMI von > 40

Praxistipps für Betroffene

  • Informieren Sie sich im Vorfeld über die Ausstattung der Einrichtung (Traglast von Betten und Stühlen, Liftern usw.).
  • Bedenken Sie, dass Sie bzw. Ihr Angehöriger aufgrund eines erhöhten Pflegebedarfs – wenn etwa zwei Pflegekräfte die Grundpflege durchführen müssen – in eine höhere Pflegestufe kommen können.
  • Fragen Sie in der Einrichtung nach Diätkost und Möglichkeiten, die Ernährung vom Pflegepersonal begleiten zu lassen. Dabei ist auch zu klären, ob Mehrkosten anfallen oder auch Teile davon, beispielsweise bei einer medizinisch indizierten Therapie, von der Krankenkasse getragen werden können.
  • Fragen Sie, ob evtl. Mehrkosten für Hilfsmittel anfallen

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