Pflegeschutzbund e. V.

Durchsuchen Sie www.biva.de

Was ist Service-Wohnen bzw. Betreutes Wohnen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Service-Wohnen und Betreutes Wohnen meint dasselbe
  • Für Viele ein guter Einstieg in eine Wohnform im Alter: Meist sind die Bewohner:innen bei Einzug noch nicht pflegebedürftig
  • Oft an Pflegeheime angegliedert, um auch später Versorgung gewährleisten zu können
  • Darauf muss ich achten:
    • Kein geschützter Begriff: es kommt auf die Vertragsdetails an
    • Teilweise greifen die Verbraucherschutzgesetze nicht.
    • beinhaltet keine Alltagsbetreuung, wie der Name suggeriert

Es kann verschiedene Gründe geben, warum ein Umzug im Alter eine gute Entscheidung ist: Manchmal gehen mit einer neuen Lebensphase neue Interessen einher. Manchmal reicht das meist geringere Einkommen der Rente nicht aus, so dass man in eine günstigere Unterkunft ziehen muss. Oft machen aber auch nachlassende körperliche Fähigkeiten einen Umzug oder einen Umbau der Wohnung notwendig, etwa wenn es dort viele Treppen gibt oder wenn man seinen Haushalt nicht mehr alleine führen kann. Die Wohnungswirtschaft bietet für diesen Fall eine Vielzahl von Lösungen an, die rechtzeitig überdacht werden müssen, um nicht zu spät eine überstürzte Entscheidung zu treffen.

Einen leichten Einstieg bietet das sogenannte Service-Wohnen, das auch Betreutes Wohnen genannt wird.  Hier hat man die Möglichkeit, sich eine neue Wohnung in schöner Atmosphäre und in guter Gesellschaft anderer Menschen in demselben Lebensabschnitt auszusuchen. Dass sich in diesen Wohnformen normalerweise Menschen finden, die noch nicht pflegebedürftig sind, macht es in vielen Fällen leichter, sich dafür zu entscheiden. Man muss sich nicht gleich mit allen Aspekten von Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen, die man in einem Pflegeheim vor Augen geführt bekommt. Viele berichten davon, sich selbst nicht „pflegebedürftig zu fühlen“.

Oft ist das Service-Wohnen an ein Pflegeheim angegliedert und befindet sich auch in räumlicher Nähe hierzu. Das ermöglicht einem, auch für den Fall einer gesundheitlichen Verschlechterung in seinem Lebensumfeld zu bleiben.

Auf die Vertrags­gestaltung achten

Service-Wohnen ist ein Überbegriff für viele Arten von Unterkünften und der Vertrag mit dem Anbieter sollte im Einzelfall genau überprüft werden. Meist sind darin bestimmte Serviceleistungen enthalten, die man unabhängig davon, ob man sie tatsächlich nutzt, bezahlen muss. In der Regel sind die Verträge, der Mietvertrag und der Servicevertrag, nicht zu trennen, sodass nur die Entscheidung bleibt, entweder in das gesamte Paket einzuwilligen oder eben nicht zu unterschreiben. Ein Vergleich verschiedener Anbieter bzw. verschiedener möglicher Verträge eines Anbieters lohnt sich. Eine Klausel, auf die man in jedem Fall achten sollte, betrifft das, was passiert, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt. Viele Anbieter behalten sich nämlich vor, in einem solchen Fall selbst über den Verbleib des Mieters zu entscheiden. Zumindest die Konsultation eines Arztes sollte notwendig und vertraglich vereinbart sein.

Auch über diesen speziellen Fall hinaus sollte man immer genau auf die Vertragsgestaltung achten, insbesondere darauf, ob bereits das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) mit seinen Schutzbestimmungen für doppelt abhängige hilfebedürftige Menschen greift oder „nur“ das Mietrecht einschlägig ist. Im Streitfall kann die bessere Rechtslage für den Verbraucher nach dem WBVG einen großen Unterschied ausmachen.

Vorsicht: Betreutes Wohnen meint keine Alltags­betreuung!

Besser bekannt als der Begriff „Service-Wohnen“ ist nach wie vor das „Betreute Wohnen“. Beides bezeichnet dasselbe, allerdings ist letzterer irreführend. Vielfach wird darunter nämlich eine weitergehende Betreuung verstanden als sie tatsächlich geleistet wird. Man darf nicht erwarten, von jemandem „an die Hand genommen“ zu werden. Alltagsbetreuung ist in der Regel ebenso wenig Bestandteil wie weitergehende Pflegeleistungen im Bedarfsfall. „Wohnen mit Serviceleistungen“ trifft das Angebot dieser Wohnform besser, da die allgemeine Betreuung meist lediglich aus einem Notruf und in Hausmeisterdiensten besteht.

Die Bandbreite ist, wie gesagt, sehr groß. Service-Wohnen kann eine passgenaue und flexible Lösung für eine bestimmte Lebensphase sein. Es kann aber auch eine teuer bezahlte Wohnung mit 24-Stunden-Rezeption und unpassenden Leistungen bedeuten.