Tiere im Pflegeheim

In deutschen Haushalten leben etwa 30 Millionen Haustiere, davon mehr als 10 Millionen Katzen und fast 7 Millionen Hunde. Gerade bei älteren Menschen sind sie beliebt, da sie dabei helfen, aktiv und gesund zu bleiben. Ein Halter eines Tieres wird gebraucht und kann niemals einsam sein. Sie haben häufig eine enge Beziehung zu den Tieren. Oft sind sie gerade dann wichtig für alte Menschen, wenn keine Angehörigen da sind, die das Tier übernehmen könnten. Was aber passiert, wenn der Tierbesitzer in ein Senioren- oder Pflegeheim umziehen muss? Darf man sein Haustier mitnehmen? Gibt es dort vielleicht andere Tiere?

Formen der Tierhaltung in Heimen

Auch in Pflegeheimen gibt es Tiere. In immer mehr Einrichtungen ist es Bewohnern erlaubt, nach Absprache ihre Tiere mitzubringen. Klein-/ bzw. Käfigtiere wie Fische oder Vögel sind oftmals eher geduldet als größere, die mehr Arbeit machen und ja auch dann versorgt werden müssen, wenn der Bewohner dies nicht mehr selbst leisten kann. Ein pauschales Recht auf ein eigenes Tier in der Einrichtung gibt es aber ebenso wenig wie ein generelles Verbot.

In einigen Einrichtungen gibt es auch die Regelung, dass das Pflegepersonal eigene Tiere mit in die Einrichtung bringt, um den Bewohnern den Kontakt mit Tieren zu ermöglichen, ohne dass sie sich selbst darum kümmern müssen.

Einen Schritt weiter gehen therapeutische Angebote. Dabei kommen ausgebildete Therapeuten mit geeigneten, je nach Rasse speziell trainierten Tieren in die Einrichtung. Genauere Informationen dazu finden Sie in einem Interview mit der Expertin Dr. Carola Otterstedt.

Vorteile von Tieren im Pflegeheim

Eine positive Wirkung auf alte und/oder pflegebedürftige Menschen durch den Umgang mit Tieren wurde in mehreren Studien wissenschaftlich belegt und in der Praxis bestätigt:

  • Tiere steigern das Allgemeinbefinden. Sie helfen eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und wirken beruhigend.
  • Tiere lösen Glücksgefühle bei Tierfreunden aus. Nach kurzer Zeit sind sie häufig ein wichtiger Bezugspunkt für Menschen, die dafür empfänglich sind.
  • Tiere sind Trostspender und Zuhörer. Außerdem können sie Vereinsamung verhindern.
  • Mit Tieren kann man auf andere Arten kommunizieren. Durch Berührung und Reaktionen, etwa auf Gesten, können auch Menschen mit ihnen in Kontakt treten, die nicht mehr oder nicht mehr gut sprechen können. Beispielsweise werden Therapietiere bei demenziell veränderten Personen gewinnbringend eingesetzt.
  • Tiere halten aktiv und geben eine Aufgabe. Sie bieten einen Kommunikationsanlass und fördern soziale Interaktionen.
  • Tiere können eine „Enkelkindermagnet“ sein. Ein Tier belebt den Lebensraum. Eine positive Atmosphäre kann dafür sorgen, dass sich auch der Besuch wohlfühlt. Nicht zuletzt (Enkel-)Kinder wissen ein Tier zu schätzen.

Sind Haustiere im Pflegeheim erlaubt?

Diesen Vorteilen stehen Bedenken gegenüber, die durchaus ernst genommen werden müssen. Ein Tier macht Arbeit und muss tiergerecht gehalten werden. Solche Fragen müssen vorab geklärt werden. Es empfiehlt sich, zur Lösung immer die Bewohnervertretung mit einzubinden.

  • Jemand muss sich um das Tier kümmern. Die Versorgung der Haustiere muss auch dann sichergestellt werden, wenn der Besitzer krank wird. Tiergerechte Versorgung meint mehr als regelmäßiges Füttern, sondern z.B. bei Hunden ausreichend Bewegung.
  • Gerade in einem Pflegeheim, in dem viele Menschen mit angeschlagener Gesundheit leben, gibt es hygienische Bedenken gegenüber dem Halten von Haustieren. Die Tiere müssen tierärztlich überwacht werden, um Hygieneprobleme zu vermeiden.
  • Besonders Hunde machen Lärm, der andere Bewohner stören könnte.
  • Heimbewohner können durch den Übermut der Tiere zu Schaden kommen.

Tierroboter in der Pflege?

Aus Japan gibt es seit einigen Jahren eine Alternative: Tierroboter, wie die Robbe „Paro“, sollen positive Aspekte von Haustieren ohne die hygienische Probleme und den notwendigen Aufwand bieten. Dieser „Beziehungsroboter“ soll gerade Menschen mit Demenzerkrankungen aktivieren: durch Berührungen oder durch ein forderndes ‚Fiepsen‘. Das interaktive Kuscheltier weckt in seinem Gegenüber Gefühle: Ein Drucksensor am ganzen Körper erkennt, ob und wie sehr die Robbe umarmt wird; Bewegungsmelder registrieren, wenn jemand näher kommt. Dann kann der Roboter Laute von sich geben oder durch Kopfheben und Wimpernklimpern eine ‚freundliche Begrüßung‘ simulieren.

Demenziell veränderte Menschen nehmen den Roboter häufig gut an und fühlen sich an die eigenen Kinder oder Haustiere erinnert. Kritiker wenden dagegen ein, dass Demenzkranke dadurch bewusst getäuscht werden und finden die Verwendung unethisch. Letztlich ist es eine Frage des Therapiekonzepts, wie man die Verwendung bewerten will. Klar ist aber, dass ein Tierroboter nicht alle Aspekte eines lebendigen Wesens simulieren kann, dass immer ein Stück weit unberechenbar, fordernd und spontan ist. Ein Einsatz als Haustierersatz im Privathaushalt oder im Pflegeheim außerhalb der Demenzstation ist derzeit zumindest nicht in Sicht – anders als in Japan: Dort werden die meisten der Roboter in dicht besiedelten Gebieten verwendet, wo Haustierhaltung generell verboten ist.