Kosten im Pflegeheim

Bewohner eines Pflegeheims zahlen monatlich ein im Heimvertrag festgeschriebenes Heimentgelt. Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim, auch Gesamtheimentgelt genannt, setzen sich zusammen aus:

  • den Kosten für die Pflege (Pflegekosten, Pflegesatz),
  • den Kosten für Unterkunft und Verpflegung (U & V),
  • den Kosten für die Ausbildung der Auszubildenden (Ausbildungsumlage) und
  • den Investitionskosten.

Gegebenenfalls können den Bewohnern für Zusatzleistungen weitere Kosten in Rechnung gestellt werden, wenn diese vereinbart waren. Sämtliche Kosten in einer Wohn- und Betreuungseinrichtung können sich ändern. In der Regel kommt es zu Kostensteigerungen. Nähere Informationen hierzu finden Sie in unserem Leitfaden „Entgelterhöhung„.

Pflegekosten / Pflegesatz

Sämtliche Kosten für pflegerische Leistungen und Maßnahmen zur medizinischen Behandlungspflege werden in den Pflegekosten, auch Pflegesatz genannt, zusammengefasst. Der Pflegesatz wird von den Einrichtungen aber nicht allein nach Gutdünken festgesetzt, sondern mit den sog. Kostenträgern, also den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern, für die Bewohner verhandelt. Die für die Pflegeleistungen je nach Pflegestufe des Bewohners anrechenbaren Kosten werden direkt mit der zuständigen Pflegekasse als sogenannte Pflegesachleistung abgerechnet. Die Pflegekasse zahlt aber nur bestimmte, im Gesetz je Pflegestufe festgeschriebene,  Sätze. Diese decken in der Regel nur einen Teil der Gesamtpflegekosten ab. Der überschießende Teil ist von den Betroffenen selbst zu tragen. Man bezeichnet die Pflegeversicherung daher auch als „Teilleistungssystem“ oder „Teilkaskoversicherung“.

Kosten für Unterkunft und Verpflegung („Betriebskosten“)

Die Unterkunftskosten beinhalten Freizeitveranstaltungen, die Kosten für Wärme, Strom, Wasser und die Wartung. Sie sind nicht zu vergleichen mit einer Miete, sondern eher mit den Betriebskosten einer Wohnung. Die Verpflegungskosten entstehen für die gesamte Verpflegung des Bewohners. Dazu können auch z.B. Kosten für das Personal gehören, das die Verpflegung zubereitet und anrichtet, sowie sonstige Erstellungskosten. Wird der Bewohner per Sonde ernährt, so sind geringere Kosten anzusetzen.

Sonderfall Investitionskosten („Kaltmiete“)

Die Investitionskosten stellen die eigentliche „Kaltmiete“ dar, also die Kosten für den Wohnraum. Sie werden erhoben für die Beschaffung der Immobilie, allen anderen Anlagen und betrieblichen Gütern, wie Betten, Tische, Stühle, Küchen, aber auch Fahrzeuge etc. Hinzu kommen die Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung. Die Bereitstellung der Einrichtung kann durch Bau oder Kauf der Immobilie nebst Ausstattung entstehen, aber auch durch Anmietung oder Pacht.  Durch die Umlage dieser Kosten auf die Bewohner wird die Immobilie refinanziert, ähnlich wie dies ein Vermieter, gegenüber seinen Mieter durch Abrechnung des Mietzinses handhabt. Genauer Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserer Broschüre „Investitionskosten“.

Zusatzleistungen

Im Gesetz werden Zusatzleistungen nicht genau bestimmt. Dort heißt es nur, dass diese über die „notwendigen Leistungen“ (= Regelleistungen) hinausgehen müssen, also mehr sind als die in den Versorgungsverträgen mit den Kostenträgern vereinbarten Leistungen für Unterkunft, Verpflegung und Pflege. Die Leistungen und deren Kosten werden immer individuell verhandelt und im Heimvertrag festgeschrieben. Zusatzleistungen können beispielsweise eine besondere Zimmergröße oder Ausstattung sein, die sich von den Regelleistungen abhebt.

Wie hoch sind die Kosten für einen Platz im Pflegeheim?

Im bundesweiten Durchschnitt lagen die Pflegeheimkosten Mitte 2014 bei 2.938,22 € (Quelle: www.pflegedatenbank.com ). Davon trugen die Pflegekassen je nach Pflegestufe zwischen 1.023 € und 1.918 €, im Mittel 1.471 €. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. So lagen die Kosten in Nordrhein-Westfalen im Schnitt bei 3.463 €, in Sachsen-Anhalt aber bei gerade 2.324,27 € – bei gleichbleibenden Leistungen der Pflegekasse. Insbesondere die Investitionskosten tragen je nach Bundesland erheblich zu den Gesamtheimkosten und den regionalen Unterschieden bei. So lag der durchschnittliche Satz bundesweit 2014 bei 13,94 € täglich (424 € monatlich), in Nordrhein-Westfalen bei 17,46 € (531 €), in Sachsen-Anhalt aber bei gerade einmal 8,65 € (263 €).

Änderungen ab 2017

Änderungen ab 2017

Durch das Pflegestärkungsgesetz II, das zu Beginn des Jahres 2017 in Kraft treten wird, ändert sich etwas Entscheidendes bei den Kosten von Pflegeheimplätzen. Bisher ist es so, dass die Beiträge, die man selbst zu den Pflegeleistungen zuzahlen muss (Eigenanteil) mit der Pflegestufe ansteigt. Das heißt, je pflegebedürftiger man ist, desto teurer sind die Pflegekosten und umso mehr muss man anteilig selbst bezahlen, da die Pflegeversicherung nur feste, gesetzlich festgelegte Anteile je Pflegestufe übernimmt. Ab 2017 wird es dagegen einen einheitlichen Eigenanteil unabhängig vom Pflegegrad geben. Dieser wird für jede Einrichtung einzeln festgelegt und hängt von der Struktur der Gesamtbewohnerschaft ab.

Wie sich dies genau auswirken wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Da aber ein mathematischer Mittelwert gebildet werden muss, ist anzunehmen, dass der Eigenanteil von Menschen mit wenig Pflegebedarf vergleichsweise steigen wird und dass stark pflegebedürftige Menschen davon profitieren, weil eine finanzielle Entlastung eintritt.

Weitere Informationen zu den anstehenden Änderungen finden Sie hier.

Wozu muss ich das so genau wissen?

Die Kosten für einen Pflegeheimplatz werden vorgegeben, teilweise staatlich genehmigt und mit den Pflegeversicherungen verhandelt. Warum sollte ich also Zeit und Mühe investieren, um zu verstehen, was dahintersteckt?

Ganz einfach, weil man niemals blind etwas bezahlen sollte, ohne es zu verstehen – schon gar keine derartigen Summen. Sie würden erstaunt sein, wie oft eine Rechnung nicht stimmt, eine Frist nicht eingehalten wurde oder sonst ein Fehler von Seiten der Einrichtung vorliegt. Außerdem ermöglicht Ihnen dieses Wissen einen direkten Vergleich der Angebote am Markt und erleichtert Entscheidungen für oder gegen eine Einrichtung oder einen Umzug.

Sollten Sie eine Ungereimtheit entdecken, hilft Ihnen der Beratungsdienst der BIVA weiter. Wir können Ihnen alle Fragen für Ihren Einzelfall beantworten, Ihnen die Hintergründe erläutern oder erklären, wie Sie vorgehen können, wenn es Unregelmäßigkeiten gibt.

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